Welt : Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft den "Fall Juhnke"

ARD setzt Arbeit mit Entertainer aus / Keine Spielplanänderung im Maxim Gorki Theater Berlin (Tsp/dpa/AP).Der Schauspieler Harald Juhnke ist wegen rassistischer Äußerungen, die er in betrunkenem Zustand in den USA gemacht hat, in große Bedrängnis geraten.Die Berliner Staatsanwaltschaft hat am Montag einen Überprüfungsvorgang eingeleitet, der eventuell in ein Ermittlungsverfahren münden kann.Gleichzeitig haben die ARD und der NDR ihre Zusammenarbeit mit Juhnke ausgesetzt.Die Elektrohandelskette Media Markt beendet ab sofort die gemeinsamen Werbeaktivitäten mit Juhnke. Das Maxim Gorki Theater sah am Montag keine Veranlassung, das Verhältnis zu Juhnke zu ändern.Es gebe keine Spielplanänderung, sagte eine Sprecherin.Die nächste Aufführung des "Hauptmanns von Köpenick" mit Harald Juhnke sei wie geplant für den 30.April vorgesehen.Deshalb sei das Vorgefallene erst im April für das Theater ein Thema, sagte die Sprecherin.Außer dem Maxim Gorki Theater will auch der Veranstalter Semmel Concerts in Bayreuth weiter mit Juhnke zusammenarbeiten.Die geplanten drei Konzerte, darunter eines im Berliner Friedrichstadtpalast am 24.Februar, finde wie geplant statt, sagte ein Sprecher. Unterdessen haben Ohrenzeugen, die die Aufnahmen von Juhnke gehört haben, dem Tagesspiegel die Schrecklichkeit seiner Aussagen bestätigt.Zuvor war nicht eindeutig klar gewesen, ob Juhnke sich tatsächlich in dieser extremen Form rassistisch geäußert hatte. Er habe getrunken und könne sich nicht mehr erinnern, was er an jenem Abend alles gesagt habe, schrieb Juhnke aus der Dominikanischen Republik, wo er mit Dreharbeiten für "Klinik unter Palmen" beginnen sollte."Ich habe auch keine Erklärung für mir zugeschriebene Äußerungen in Bezug auf Rassenfeindlichkeit.Denn wer mich kennt, weiß, daß ich alles andere als ein Rassist bin.Wenn ich jemanden in seiner Ehre verletzt habe, bitte ich mit tiefem Bedauern um Entschuldigung." ARD-Programmdirektor Struve erklärte, diese "von Selbstmitleid getragene" Stellungnahme reiche in keiner Weise aus.Für die ARD gebe es gegenwärtig keine Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit ihm.Die Dreharbeiten zu "Klinik unter Palmen" könnten nicht mit Juhnke fortgesetzt werden, bis er sein "unerträgliches Verhalten gegenüber den direkt Betroffenen nicht in angemessener, eindeutiger Form in Ordnung gebracht hat".Ähnlich äußerte sich NDR-Programmdirektor Kellermeier.Dies gelte auch für das Fernsehfilmprojekt "Der Hauptmann von Köpenick", eine geplante Koproduktion mit dem Sender Premiere. Unterdessen haben SPD- und CDU-Politiker sowie der jüdische Geschichtsprofessor Michael Wolffsohn einen Fernseh-Boykott gegen den Schauspieler gefordert."Im Wein liegt die Wahrheit.Das ist es also, was Harald Juhnke wirklich denkt", sagte Wolffsohn."Diesmal hat Harald Juhnke den Bogen überspannt", sagte die SPD-Politikerin Cornelie Sonntag-Wolgast der Zeitung "Express"."Mit seinen schlimmen Äußerungen schadet er ganz Deutschland." Alkohol sei keine Entschuldigung.Sie rate zur Abstimmung mit der Fernbedienung: Die deutschen Fernsehzuschauer sollten ihn einfach abschalten und seine Sendungen boykottieren.Ähnlich äußerte sich die CDU-Politikerin Editha Limbach.

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