Welt : Die Braut kommt ohne Vater

Klaus Bachmann

Wenn sie sich am Samstag in der Nieuwe Kerk in der Amsterdamer Innenstadt das Ja-Wort geben und danach in der königlichen Kutsche durch die Stadt fahren, werden vielleicht 200 000 Menschen jubelnd die Straßen säumen. Seit Wochen ist das ganze Land auf den Füßen, sich auf die große Hochzeit vorzubereiten. Geld wurde gesammelt für ein Hochzeitsgeschenk, fast alle Zeitungen berichten über die Details der Hochzeit auf ihren ersten Seiten, eine Sammlermünze wurde in Umlauf gebracht, von Hochzeits-CDs mit der Lieblingsmusik des Brautpaars, Alben und Fotoserien gar nicht zu sprechen.

Maxima Zorreguieta aus Argentinien und Prinz Willem-Alexander von Oranien-Nassau sind inzwischen sogar als Briefmarke erhältlich und selbst das Amsterdamer Rotlichtviertel wurde herausgeputzt für die große Feier, die von 60 Fernsehkameras und 500 Journalisten aus aller Welt beobachtet werden wird. Es könnte eine Traumhochzeit werden, doch dazu fehlt etwas: Die Familie der Braut.

Maximas Vater Jorge Zorreguieta, ehemaliger Landwirtschaftsminister in der argentinischen Militärjunta von Jorge Videla, muss zuhause bleiben. Dazu hat er sich in vertraulichen Unterhandlungen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok verpflichtet. Denn Zorreguieta hat offensichtlich von den Menschenrechtsverletzungen der Videla-Junta gewusst, wie ein Expertenbericht für Parlament und Regierung feststellt. Zorreguieta selbst hat das immer bestritten, doch außer den Brautleuten scheint ihm das in den Niederlanden keiner zu glauben. Lange schien es, als sei der Brautvater ein unüberwindliches Hindernis für die Hochzeit zwischen dem 34-jährigen Thronfolger und seiner 30-jährigen Angebeteten.

Nach der niederländischen Verfassung muss das Parlament der Heirat zustimmen, damit der Thronfolger seine Rechte auf die Krone nicht verliert. Ohne das Parlament kann er zwar heiraten, aber nicht König werden. Willem-Alexander hat aber nie Zweifel daran gelassen, daß er sich im Zweifelsfall für Maxima und gegen den Thron entscheiden werde. Kok handelte daraufhin in Geheimgesprächen das Abkommen mit Zorreguieta aus und sorgte damit für ein klares Votum für die Heirat im Parlament.

Zum Erliegen kam die Debatte deshalb nicht. Im Januar sorgte das Buch eines Fernseh-Journalisten für Aufregung, der behauptete, Zorreguieta habe vom Verschwinden Oppositioneller unter dem Videla-Regime wissen müssen, da er selbst einem von den Militärs entführten Freund geholfen und seine Freilassung bewirkt habe. Auch seien Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung verschwunden. Am letzten Donnerstag goss Willem-Alexander, der sich mit seinem künftigen Schwiegervater offenbar hervorragend versteht, noch einmal Öl ins Feuer. In einem Interview, das er zusammen mit seiner künftigen Ehefrau gab, bezeichnete er den Expertenbericht als "nur eine Meinung".

Er glaube seinem Schwiegervater, nichts von den Verbrechen der Militärs gewusst zu haben. "Ein bissl dumm", fand das Tom de Graaf, Chef der linksliberalen monarchiekritischen Partei D66. Andere Abgeordnete forderten, Regierungschef Kok solle dem Thronfolger eine Standpauke halten, doch der hielt sich im Hintergrund. Königin Beatrix selbst, die im Volk zwar großes Ansehen genießt, aber zugleich als unnachgiebig gilt, hat mit dem umstrittenen Brautvater kein Problem. Als Dank für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Heirat hat Maxima Beatrix zur Trauzeugin gemacht.

Die weltgewandte und lebenslustige Argentinierin - eine Bankmanagerin mit Berufserfahrung in Brüssel und New York - hat selbst dafür gesorgt, dass ihr in den Niederlanden die Sympathien zufliegen. Innerhalb kurzer Zeit hat sie Niederländisch gelernt, das sie nun fließend und fast akzentfrei spricht. Sie bereiste mit Willem-Alexander die Provinz und verpasste dem Königshaus jenes volksnahe Image, das die distinguierte Beatrix ihm nicht zu geben vermag. Als letzte Woche Hacker eine Chat-Session mit dem Brautpaar lahmlegten, beeilten sich die Täter gleich mitzuteilen, daß sie ihre Attacke nicht gegen Maxima, sondern nur gegen die Arroganz des staatlichen Telefonmonopols gerichtet hätten.

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