Welt : Die bunte Welt des Harry Potter Merchandising zum neuen Buch

Christian Gaca

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist es soweit. Endlich, endlich – zahllose Leseratten in ganz Deutschland können und werden aufatmen. Denn wenn die Turmuhr Mitternacht schlägt, steht die Fortsetzung der Lebensgeschichte des Zauberlehrlings Harry Potter in den Regalen der deutschen Buchhandlungen – theoretisch zumindest. Praktisch werden die meisten wohl bis zum Samstagmorgen warten und dann schnell in die nächste Buchhandlung rennen, um einen der rund zwei Millionen Bände der Erstauflage von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ zu ergattern. Der Verlag Carlsen rechnet damit, dass allein am ersten Verkaufstag 600 000 Potter-Bücher abgesetzt werden.

Doch das Potter-Fieber infiziert nicht nur die Fans, sondern auch die Marketing-Manager. Und eben jene geschulten Verkäufer denken scharf nach, wie sie den treuen Potter-Freunden schneller zum 28,50 Euro teuren Lesevergnügen verhelfen können. Die eiligste Lösung hat die Deutsche Post in Zusammenarbeit mir ihrem Partner Weltbild ausgeklügelt. Der Verlag besorgt die Bücher und die Post bringt den fünften Potter zur Geisterstunde zu den Menschen – eine Anlieferzeit zwischen 12 Uhr und zwei Uhr morgens wird garantiert. Allerdings mussten die Fans bis Mittwoch vorbestellen, was offenbar viele getan haben. „Wir sind bisher sehr, sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Weltbild-Pressesprecherin Eva Großkinsky. „Das ist ein bestimmtes Klientel, das Wert darauf legt, das Buch schon in der Nacht zu haben“, sagt Post-Pressesprecherin Sylvia Blesing. Man sei bestens gerüstet und habe mindestens 1000 Nachtboten im Einsatz, um eine reibungslose Auslieferung zu ermöglichen. Teuer zu stehen kommt die engagierten Fans der morgendliche Lesespaß indes nicht. 1,95 Euro Versandpauschale wird ihnen vom Weltbild-Verlag dafür berechnet, dass sie kurz nach Mitternacht zu den Ersten gehören, die im neuen Potter schmökern dürfen. „Das zahlen auch alle Kunden, die das Buch erst Samstag oder später bekommen“, erklärt Weltbild-Pressesprecherin Eva Großkinsky.

Während die ersten Fans also schon in der Nacht auf Samstag mit müden Augen die Abenteuer des kleinen Zauberers verschlingen, wird Deutschland nebenbei von einer amtlichen Merchandising-Welle überrollt. Potter überall, auf Schulheften, Stiften und Federtaschen, dazu natürlich Bettwäsche, Kissen, Handtücher und Potter-Kostüme. Doch die Freude an und über Harry Potter ist gesellschaftlicher Konsens, darum wird auch abseits der Stammkundschaft versucht, ein paar Euro extra aus den Taschen williger Verbraucher zu zaubern. Hobbyeisenbahner etwa werden von Märklin bedient: Der weltweit größte Hersteller von Modelleisenbahnen hat nunmehr einen originalgetreuen „Hogwarts Express“ im Programm, der pünktlich zum Weihnachtsfest unterm Tannenbaum einfahren kann. Spielzeughersteller Lego kümmert sich indes um die kleinen Fans, die aus Legosteinen ebenfalls den „Hogwarts Express“ nachbauen können. Und für einige Euros mehr gleich das ganze Schloss.

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