Welt : Die Chancen der deutschen Filmemacher

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Nach dem deutschen Diktator stellt sich in diesem Jahr eine junge Heldin dem Urteil der Oscar-Akademie. Doch es ist fraglich, ob „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ mehr Chancen auf die Auszeichnung als bester ausländischer Film hat als zuletzt das Hitler-Drama „Der Untergang“. Die Hollywood-Branchenblätter und auch die „New York Times“ sehen das Werk von Marc Rothemund eher als Außenseiter. Doch „die deutsche Auswahlkommission war schon gut beraten, einen Film vorzuschlagen, der in die internationale Konkurrenzsituation passt“, meint Fred Breinersdorfer, Drehbuchautor und Produzent von „Sophie Scholl“.

Auch die vier Konkurrenzfilme bergen politischen, historischen oder sozialen Sprengstoff: Im palästinensischen Beitrag „Paradise Now“ geht es um zwei Selbstmordattentäter, „Merry Christmas“ aus Frankreich schildert eine Episode zwischen den Fronten im Ersten Weltkrieg. Auch an diesen beiden Filmen sind übrigens deutsche Produzenten beteiligt. „Tsotsie“ aus Südafrika erzählt von einem jungen Kriminellen, und im italienischen „Don’t Tell“ unternimmt eine Frau eine schmerzhafte Reise in ihre familiäre Vergangenheit.

Dass es in den letzten vier Jahren drei deutsche Filme in den Kreis der Nominierten für den Auslands- Oscar geschafft haben, ist für den Münchner Produzenten Günter Rohrbach ein Zeichen für eine Imageveränderung: „Viele Jahre lang war das Interesse an deutschen Filmen gleich null“, sagt er. „Das hat sich drastisch verändert.“ Viele Filme finden eine weltweite Beachtung bei der Berlinale, die sich unter der Führung von Dieter Kosslick zu einer internationalen Heimat hiesiger Produktionen gewandelt hat. Andererseits sei auch eine junge Generation von Filmemachern herangewachsen, die sich mit Mut und Klugheit auf die Stärken des deutschen Films besinne, freut sich Rohrbach: „Sehr gute Filmschulen führen zu wachsender Professionalisierung.“

Auch in diesem Jahr belegt das ein Oscar-nominierter Kurzfilm aus Deutschland: Ulrike Grote von der Hamburg Media School hat für ihr Mystery-Drama „Ausreißer“ schon einen Studenten-Oscar in der Tasche und hofft jetzt auf das Original.

Die größten Chancen hat wohl der 31- jährige Michael Ohoven als Produzent des schon mit Kritikerlob und Preisen überschütteten, fünfmal nominierten Films „Capote“ mit Philip Seymour Hoffman. Der Sohn von Ute und Mario Ohoven, der Unicef-Botschafterin und dem Präsidenten des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft, wäre der erste deutsche Oscar-gekrönte Produzent überhaupt. dpa

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