Welt : Die Chefin der Virusjäger

Bernhard Bartsch
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Margaret Chan

Peking - Margaret Chan ist in Sachen Seuchenbekämpfung keine Anfängerin. Die 62-jährige Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Kampf gegen die Schweinegrippe betreut, verdankt ihr Amt sogar maßgeblich ihrer persönlichen Erfahrungen im Umgang mit lebensgefährlichen Viren. Als Direktorin der Hongkonger Gesundheitsbehörde stand die promovierte Ärztin bereits zwei Mal vor der Aufgabe, potenzielle eine Pandemie zu verhindern – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

1997 sprang in Hongkong das Geflügelgrippevirus H5N1 auf den Menschen über. Sechs Menschen starben. Chan – in der ehemaligen Kronkolonie geboren und in Kanada und Singapur ausgebildet – ließ 1,4 Millionen Farmtiere töten. Hongkongs Farmbesitzer forderten Chans Rücktritt, doch der Erfolg gab ihr recht: Die befürchtete Pandemie blieb aus. Seitdem gehören Massenschlachtungen bei Tierseuchen zum Standardprozedere.

Als sich 2003 von Südchina aus die Lungenkrankheit Sars verbreitete, musste Chan lernen, was beim Kampf gegen eine Seuche alles falsch laufen kann: Weil Chinas Gesundheitsbehörden Warnsignale über Monate ignorierten und der WHO die Zusammenarbeit verweigerten, konnten die Experten den Erreger erst identifizieren, als schon hunderte Menschen infiziert waren. In weiten Teilen Asiens legte Sars über Wochen große Bereiche des Wirtschaftslebens lahm.

Die schlechte Bilanz kostete Chan ihren Job und brachte ihr eine Rüge des Hongkonger Parlaments ein.

Auf Pekings Veranlassung gelangte Chan im Jahr 2003 zur WHO nach Genf und wurde 2007 die erste chinesische Vorsitzende einer UN-Organisation. Im Kampf gegen die Schweinegrippe könnten sich die Fehler der Vergangenheit als wertvolle Lehrstunde erweisen. Bernhard Bartsch

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