Welt : Die Ein-Hund-Politik

Wegen Tollwutgefahr verhängt Peking eine Haustierbeschränkung – zum Entsetzen aller Tierfreunde

Harald Maass[Peking]

Nach der Ein-Kind-Politik hat China nun auch eine Ein-Hund-Politik eingeführt. Einer neuen Bestimmung nach darf jede Familie in Peking ab sofort nur noch einen Hund besitzen. Die Behörden wollen damit die Tollwut eindämmen. Pekings Tierfreunde sind empört und demonstrieren.

Nachdem im Sommer in mehreren Provinzen Massenschlachtungen von Hunden stattfanden, um die sich ausbreitende Tollwut zu bekämpfen, gehen nun die Behörden in der Hauptstadt gegen die Vierbeiner vor. Seit Anfang November dürfe pro Haushalt nur noch ein Hund registriert werden, heißt es in einer amtlichen Mitteilung. Hunde, die größer als 35 Zentimeter sind, seien in der Innenstadt ganz verboten. Die „Ein-Hund-Politik“ sei wegen der zunehmenden Tollwutgefahr notwendig geworden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Nur drei Prozent aller Hunde in China sind gegen Tollwut geimpft. Im Oktober starben in China 326 Menschen an der Krankheit, von Januar bis September waren es 2254.

Die neue Regelung und vor allem ihre Umsetzung stößt jedoch auf Unmut. Berichten von Tierfreunden zufolge ziehen Polizisten durch die Straßen und nehmen alle unregistrierten Hunde mit. Manchen Familien sei eine Frist von einer Woche gegeben worden, um ihren Hund loszuwerden oder aus der Innenstadt wegzuziehen. „Die meisten von uns trauen sich nur noch nachts mit den Hunden raus, und auch dann müssen wir sehr vorsichtig sein“, sagte der Besitzer eines Labradors.

Jahrzehntelang war das Halten von Hunden in Chinas Städten verboten. Während der Kulturrevolution galten Schoßhunde als bourgeois. Erst nach der Öffnung Chinas und der Einführung der Ein-Kind-Politik wurden Haustiere wieder beliebt. In Peking gibt es rund eine Million Hunde, davon ist nur die Hälfte registriert. Die Anmeldung eines Hundes kostet 1000 Yuan (100 Euro), dazu kommt eine jährliche Gebühr von 500 Yuan (50 Euro) – viele Familien können sich das nicht leisten. Dabei hängen viele Chinesen an ihrem Haustier: Die kleinen Kläffer werden auf Sitzkissen in den Park getragen. Das letzte Wort in dem Streit scheint noch nicht gesprochen. In einem seltenen Akt des zivilen Ungehorsams versammelten sich vor kurzem 500 Tierfreunde und Hundehalter zu einer Demonstration vor dem Pekinger Zoo. Zwei Hundertschaften der Polizei rückten an, um die Kundgebung aufzulösen. Am Ende durfte jedoch eine Delegation der Hundehalter den Behörden ihre Beschwerde vortragen.

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