Welt : Die eingeschneiten Gäste müssen nicht verhungern

THOMAS BREY

WIEN/BERN ."Die Stimmung der Leute reicht von katastrophal bis gutgelaunt", beschreibt der Bonner Unternehmer Volker Lehmann die Gemütslage der 3000 Touristen, die am Dienstag bereits den vierten Tag in der Tiroler Gemeinde Galtür im Paznauntal festsitzen.Doch wenigstens acht Urlauber planen einen "Ausbruchversuch": Sie wollen mit einem gecharterten Hubschrauber den von Schneemassen eingezwängten Skiort verlassen.Doch bis zum Mittag verhindern Wind und heftiger Schneefall die Landung des Helikopters.

"Die meisten Touristen haben sich mit ihrer Lage abgefunden", sagt Nicole Reimann vom Hotel Post in Galtür.Versorgungsengpässe gebe es noch keine, denn "auf so etwas sind wir eingestellt".Ob sich der ebenfalls seit Sonnabend festsitzende Bonner Physikprofessor darauf freut, keine Vorlesungen halten zu müssen, ist nicht bekannt.Einige Studenten in Bonn konnten deshalb nicht ihre Abschlußprüfungen ablegen.Die Hoteliers bemühen sich, die Gäste bei Laune zu halten.Montag nacht wurde außerplanmäßig ein Nachtskilaufen auf beleuchteten Pisten veranstaltet.Und wenn der Hotelier eine Runde Sekt ausgibt, "hebt das natürlich die Stimmung", weiß Lehmann.

Im Hauptort Ischgl ist die Lage wesentlich entspannter, weil hier am Montag nachmittag innerhalb weniger Stunden der Urlauberwechsel organisiert werden konnte.Über die einspurige Straße wurden die bis dahin Eingeschlossenen ins Tal gebracht und die seit Tagen am Taleingang in Notunterkünften Wartenden nach Ischgl, berichtet das Hotel Jägerhof.

"So viele Lebensmittel haben wir schon, daß die Gäste nicht verhungern", witzelt die Angestellte des Hotels Central.Über die am Montag nur wenige Stunden geöffnete Talstraße waren auch Lastwagen mit Nahrungsmitteln nach Ischgl gelangt.Doch am Dienstag morgen wurde die Verbindung erneut gesperrt.Die wegen des Schneechaos später abreisenden Urlauber müssen ihr Hotel auch länger zahlen - allerdings zu Vorsaisonpreisen, heißt es im Jägerhof.

Der Skiort St.Anton war ebensowenig über die Straße zu erreichen wie das Lechtal mit den Urlauberhochburgen Zürs und St.Christoph.

Ein Hubschrauber hat am Dienstag schon einmal 500 Kilo Briefe in das eingeschlossene Paznauntal gebracht.Die Post stammt von besorgten Angehörigen der meist deutschen Gäste, die sich nach den Wohlergehen ihrer Verwandten erkundigen wollten.

Die Kosten für die unfreiwillige Urlaubsverlängerung, die durch zusätzliche Übernachtungen anfallen, müssen die Touristen aus eigener Tasche zahlen.Reiseveranstalter können sich angesichts der Schneemassen auf höhere Gewalt berufen, teilte die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht (DGFR) mit.Wenn sich die Situation wieder normalisiert hat, muß der Veranstalter von Pauschalreisen später den Rücktransport der Touristen organisieren.Die Zusatzübernachtungen müssen die Urlauber selbst übernehmen, die Mehrkosten für einen verspäteten Rücktransport teilen sich Tourist und Reiseveranstalter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar