Welt : Die Elbe fließt immer schneller

In den bedrohten Gebieten wird die Zeit knapp

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Von Uwe Ahlert, Magdeburg

Das Elbe-Hochwasser steigt im Norden schneller als erwartet und zwingt Tausende von Helfern zum Dauereinsatz. Der Höhepunkt der Jahrhundertwelle sollte bereits in der bergangenen Nacht Magdeburg erreicht haben. Eigentlich war der Höhepunkt erst am Mittwoch erwartet worden. Auch für Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wird die Zeit knapp, weil das Wasser in der Elbe schneller fließt.

Nach mehreren Dammbrüchen hat sich die Flutwelle der Elbe im südlichen Sachsen-Anhalt über weite Gebiete ergossen. Mit Sandsäcken und Kies kämpften Tausende von Sicherheitskräften und Freiwillige um die Deiche. Elbaufwärts – im südbrandenburgischen Mühlberg und im sächsischen Torgau – wuchs die Hoffnung, die völlig aufgeweichten Deiche halten zu können.

Helfer von Wasser eingeschlossen

In den elbnahen Gebieten des Sachsen-Anhalter Kreises Wittenberg spitzte sich die Lage dramatisch zu. Bei Prettin brach der Damm auf rund 200 Metern Länge. Nach Deichbrüchen in Seegrehna und Pratau war der auf der Welterbeliste der Unesco stehende Landschaftsgarten Wörlitzer Park bedroht. In 38 Gemeinden des Kreises Wittenberg mussten bisher 40 000 Menschen ihre Häuser verlassen. In Bitterfeld standen am Montag fünf Stadtteile unter Wasser. Das eigentliche Zentrum der Innenstadt blieb weiterhin verschont, auch der Chemiepark war nach Angaben des Krisenstabs nicht bedroht. In Teilen der Stadt wurde die Zwangsräumung angeordnet. Südlich von Magdeburg verloren die Helfer auf ganzer Linie den Kampf gegen die Wassermassen. 100 Helfer sind von Wassermassen eingeschlossen. Ob sie aus der Luft gerettet werden müssen, ist unklar. Akute Lebensgefahr besteht nicht.

In Magdeburg saßen am Montag abend 20000 Menschen im Stadtteil Cracau auf gepackten Koffern. Bis dahin zögerten Oberbürgermeister Lutz Trümper und seine Mannen vom Katastrophenstab mit der Evakuierung. Vorhersagen zufolge sollte der Elbpegel die sieben Meter nicht überschreiten. Damit könnte Magdeburg haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert sein. Doch sicher ist nichts.

Im Umweltministerium sprach man von einer Kaffeesatzleserei bei der Berechnung der Wasserhöhen. Viele Pegel entlang des Stromes waren ausgefallen.

Böse Gerüchte

In Katastrophenzeiten haben Gerüchte Konjunktur. So wird in kleinen Orten, in denen nicht so viele Helfer wie in manchen Städten im Einsatz sind, davon gesprochen, die Behörden hätten die Dörfer zu Gunsten der Städte bereits aufgegeben. In Aken (Sachsen- Anhalt) kursierte gar das Gerücht, ein Deich sei gesprengt worden, um das flussabwärts gelegene Magdeburg zu retten. Alles wurde von den Einsatzstäben vor Ort dementiert. (mit dpa)

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