DIE FEUERWEHR RÄT : Tür zu und mit Kind auf die Leiter warten

Die Bilder, wie Kamil K. seinen elf Monate alten Neffen in Panik aus dem brennenden Haus in Ludwigshafen geworfen hat, gingen um die Welt. Der kleine Onur sei wohlauf und mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Ein Polizeibeamter hatte das Kind sicher aufgefangen. Der Wurf des Kindes war aus der Sicht der Bewohner die letzte Rettung in höchster Not. Das sei unnötig und gefährlich, sagt hingegen die Feuerwehr. Aber wie verhält man sich als Hausbewohner bei einem Brand richtig?

„In aller Regel muss man bei einem Brand nicht aus dem Fenster springen und erst recht nicht sein Kind aus dem Fenster werfen“, sagt Jens-Peter Wilke, Pressesprecher der Berliner Feuerwehr. Sprungtücher tauchten zwar in jedem Hollywood-Film auf, in der Realität kämen sie aber kaum zum Einsatz. Die Betroffenen würden normalerweise über Feuerwehrleitern gerettet. Sei das nicht möglich, würden die Bewohner mit sogenannten Fluchthauben, die vor Rauch schützen, von den Einsatzkräften aus dem Haus gebracht.

Wilke rät, im Brandfall zuerst die Feuerwehr zu rufen, danach alle Türen in Richtung Brandherd gut zu verschließen und zusätzlich mit nassen Handtüchern abzudichten. Anschließend gelte es, Ruhe zu bewahren und am offenen Fenster auf Hilfe zu warten. Auch bei zunehmender Rauchentwicklung solle man versuchen, nicht in Panik zu geraten und den Anweisungen der Feuerwehr folgen.

„Eine normale Wohnungstür hält in aller Regel 30 Minuten einem Brand stand“, sagt Wilke. In dieser Zeit setze die Feuerwehr alles daran, die Betroffenen zu retten. Man müsse sich den Feuerwehrmännern anvertrauen, auch wenn man das Gefühl habe, in höchster Gefahr zu sein. „Eine objektive Gefahr liegt meistens nicht vor“, betont Wilke. „Wir warnen dringend davor, durchs Treppenhaus zu fliehen, dort lauert die Gefahr.“ Durch den dichten Rauch werde man schon nach wenigen Metern ohnmächtig und könne an Rauchvergiftung sterben. Den Brand selbst bekämpfen sollten Hausbewohner nur dann, wenn sie sich dabei nicht in Gefahr begeben.jra

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