Welt : Die First Lady in Kenia tobt

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Nairobi In Nairobi werden Partys nicht immer ungestört gefeiert. Da kann es passieren, dass die Präsidentengattin Lucy Muthoni Kibaki sich mitten in der Nacht im Trainingsanzug unter die Gäste mischt und verlangt, dass die Musik abgestellt wird. Vielen Kenianern, die darüber in den Zeitungen lasen, war es besonders peinlich, dass „Mama Lucy“ ausgerechnet die Abschiedsparty des scheidenden Weltbank-Direktors Makhtar Diop sprengen wollte. Schließlich versucht das korruptionsgeplagte Land gerade, seine Beziehungen zu der wichtigen Geber-Organisation zu verbessern.

Der jüngste Party-Auftritt war der Beginn einer grandiosen Schlammschlacht zwischen der First Lady und der kenianischen Presse, die dem Vorfall genüßlich mehrere Seiten widmete. Mama Lucy war mit der Berichterstattung nicht einverstanden und schon gar nicht, dass ihre Garderobe darin als „Schlafanzug“ beschrieben wurde. Eines Abends kreuzte sie samt Leibwächtern in der Redaktion der Nation Media Group auf und machte die anwesenden Journalisten zur Schnecke. Einem Kameramann, der ihren Wutanfall filmen wollte, verpasste sie kurzerhand eine Ohrfeige. Mittlerweile hat der Getroffene offiziell bei der Polizei Anzeige gegen die Präsidentengattin erstattet. „Niemand in Kenia außer dem Präsidenten selbst steht über dem Gesetz“, findet Clifford Derrick.

Lucy Kibaki verbreitete derweil eine elfseitige Erklärung, die sich unter anderem über die Unterschiede zwischen Trainings- und Schlafanzügen auslässt und den Medien mangelnden Respekt vorwirft. Und Leserbriefschreiber diskutieren eifrig, welche Rolle eine kenianische First Lady überhaupt spielen sollte. Schließlich hat es auch schon Szenen gegeben, wo Lucy ihren Mann Mwai Kibaki kurzerhand vom roten Teppich gedrängelt hat. Alles Gerede und Gespotte über Mama Lucy ist in den Augen vieler Kenianer ein weiterer Beweis, dass der Staatspräsident längst nicht mehr die Zügel in der Hand hält. Cartoonisten zeichnen den 73-Jährigen gewöhnlich mit einem Golfschläger oder auf dem Sofa ruhend. Der Präsident hat sich seit seinem Amtsantritt immer mehr zurückgezogen. dpa

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