Welt : Die Fürstentum-AG

Generationswechsel in Liechtenstein: Heute besteigt Erbprinz Alois den Thron

Markus Huber[Wien]

Es wird ein Fest, wie es für den Fürsten wenn auch nicht ganz billig, so zumindest würdig ist: Die Blechbläser rücken schon in den frühen Morgenstunden an, der Bischof und seine Entourage zwecks Feldmesse etwas später. Am Nachmittag sind dann 34 000 Untertanen, also alle Untertanen, zu einem Sektempfang auf die Schlosswiese eingeladen. Ab 18 Uhr beschallen diverse Bands die Wiese; in der Nacht soll dann ein gigantisches Feuerwerk das gesamte Rheintal erhellen. An diesem Sonntag, den 15. August, ist Nationalfeiertag im Fürstentum Liechtenstein, diesem obskuren Zwergstaat zwischen Österreich und der Schweiz, und dieser Nationalfeiertag wird ganz besonderes: Fürst Hans Adam übergibt die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Alois. Es ist eine Amtsübergabe in Etappen – und eigentlich muss der Fürst nach den strengen Regeln weiter Fürst sein, während Alois sich mit dem Titel „Thronfolger“ begnügen muss.

Doch ab diesem Sonntag ist der 36-Jährige für die Regierungsgeschäfte in der fast absolutistischen Zwerg-Monarchie verantwortlich, und damit Staatsoberhaupt für einige wenige Untertanen, aber stattliche 3000 Unternehmen, 385 Vermögensverwalter, 17 Fondsgesellschaften, 16 Banken und etwa 75 000 Briefkastenfirmen, die nicht offiziell gezählt werden. Sie sind hier, weil das Fürstentum als diskretester Finanzplatz Europas gilt.

36 Jahre ist der neue Staatschef alt, verheiratet, Vater von vier Kindern. Er gilt als ziemlich wortkarg und spröde, als Mann des Schachtelsatzes. Trotzdem beschreiben ihn Freunde als umgänglichen Menschen, der im trauten Bekanntenkreis erst richtig aufblüht.

Die Liechtensteins, die aus dem österreichischen Landadel hervorgingen und erst Mitte des18. Jahrhunderts Ländereien und Stammschloss im Rheintal erworben, gehören nicht unbedingt zu den schillernden Figuren der europäischen Royal-Society. Im Gegensatz zu den meisten anderen Regenten sind sie allesamt farblos und für die Yellow-Press weitgehend uninteressant. Seltsam eigentlich, denn die Liechtensteins haben nicht nur noch reale Macht in ihrem Zwergstaat, sondern vor allem eines: Geld. Auf fast fünf Milliarden Euro wird das Privatvermögen der Familie geschätzt, gemehrt wird es einerseits durch die Hausbank LGT, die am Kapitalmarkt nach wie vor glänzend verdient, und auch durch mehrere Industriebeteiligungen und eine eigene Bio-Tech Firma. Dazu kommen noch die Ländereien in Liechtenstein und Österreich, die Schlösser in Vaduz und Niederösterreich, sowie zwei Stadtpalais und mehrere Mietskasernen in Wien. Kunstschätze, wie sie zur Zeit im Wiener Liechtenstein-Museum ausgestellt sind, runden den Familienbesitz ab. Dass Alois in seiner Amtszeit seine Untertanen weitestgehend unaufgeregt betreuen wird und sich genauso wie sein Vater primär um die Finanzen der Familie kümmern wird, darf als ausgemachte Sache gelten. Schließlich kündigte er erst kürzlich an, alles genauso machen zu wollen wie sein Vater – und das bedeutet, dass die Liechtensteiner weiterhin Freude an ihren Briefkastenfirmen haben werden und überdies keine Steuern bezahlen müssen.

Dass Alois dabei in seinem Zwergstaat uneingeschränkt regieren, Beamte und Richter nach eigenem Gutdünken ernennen und absetzen kann, und das Liechtenstein’sche Parlament weitestgehend kontrolliert, stört dabei die wenigsten – erst im vergangenen Jahr setzte Fürst Hans Adam eine Verfassungsänderung durch, die seine Kompetenzen noch weiter erhöhte. Für den Fall, dass sich die Liechtensteiner gegen seine Machtvermehrung ausgesprochen hätten, wäre er ins Exil nach Wien ausgewandert: Das hätte unweigerlich zu einer Normalisierung der Steuergesetze in Liechtenstein geführt – und das wollten die Untertanen dann wohl doch nicht.

Fast 20 Jahre hat sich Alois auf seine Karriere vorbereitet. Zunächst besuchte er die britische Militärakademie Sandhurst, dann studierte er Jura in Salzburg, bevor er bei einer Londoner Wirtschafts-Treuhand-Kanzlei in die Lehre ging. Seit fünf Jahren ist er wieder zurück im heimatlichen Vaduz, wo er sich in der Familienbank LGT ums eigene Geld kümmerte. Und so mögen die Liechtensteiner ihren Regenten wohl am liebsten.

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