Welt : Die Golden Gate Brücke blieb dunkel

SAN FRANCISCO (rtr).Ein Stromausfall hat in San Francisco das schlimmste Chaos seit dem großen Erdbeben von 1989 ausgelöst.Fast eine Million Menschen waren am Dienstag vormittag (Ortszeit) sieben Stunden ohne Strom, nachdem Arbeiter in einem Umspannwerk südlich der Stadt versehentlich einen Kurzschluß ausgelöst hatten.Die Börse mußte den Handel aussetzen, an der Golden Gate Brücke gingen die Lichter aus, der Berufsverkehr brach zusammen, Dutzende Menschen waren in Fahrstühlen eingeschlossen.Bürgermeister Willie Brown erklärte den Notstand.

"Ich lebe jetzt seit 30 Jahren hier und habe so etwas noch nie erlebt", sagte Chris Johnson, der Sprecher der Pacific Gas and Eletric Company.Im Großraum San Francisco waren mehr als 370 000 Haushalte, Geschäfte und Büros ohne Strom.Der Flughafen war den größten Teil des Vormittags auf seine Notstromsysteme angewiesen.In der Stadt gab es ein Verkehrschaos: Mitten im Berufsverkehr gingen die Ampeln aus, die elektrischen Busse der Stadt blieben stehen, die Bay Bridge glich einem gewaltigen Parkplatz.Auch die bei Touristen beliebten Cable Cars bewegten sich nicht mehr von der Stelle.Der Schnellbahn-Verkehr brach völlig zusammen.

Die High-Tech Region Silicon Valley südlich von San Francisco war nicht direkt betroffen, doch führte der Stromausfall zu einer massiven Überlastung des Telefonnetzes in angrenzenden Kommunen.Zahlreiche Firmen waren daher nicht mehr in der Lage, ihre Kunden telefonisch oder über e-mail zu erreichen.Viele Büros und Kaufhäuser blieben den Tag über geschlossen, da Computer und Kassen nicht funktionierten.Plünderungen gab es nach Angaben der Polizei allerdings nicht.

Der Stromausfall sei glimpflich abgelaufen, weil die Stadt sich auf Katastrophen wie Erdbeben gut vorbereitet habe, sagte Bürgermeister Brown.Lebensnotwendige Einrichtungen wie Krankenhäuser könnten den Betrieb dank Notstromaggregaten aufrechterhalten.Auch die Bürger hätten sich großartig verhalten und einander geholfen.Wegen der chaotischen Zustände wurden falsch geparkte Fahrzeuge nicht abgeschleppt, Pendler konnten den öffentlichen Nahverkehr kostenlos benutzen.

Stromausfälle haben Teile der USA in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt ins Chaos gestürzt.Die schlimmsten Blackouts erlebte die Metropole New York, in der am 9.November 1965 und am 14.Juli 1977 das öffentliche Leben nach Stromausfällen fast vollständig zusammenbrach.Beide Male mußte die Nationalgarde gegen Plünderer eingesetzt werden.

In Deutschland ist ein Stromausfall in dem Ausmaß von San Francisco und New York nach Angaben der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) nicht möglich."Auch wenn eine Stromhauptleitung im Rhein-Ruhr-Gebiet ausfällt, kann der Schaden auf wenige Straßenblöcke begrenzt werden", sagte ein Sprecher der RWE Energie AG am Mittwoch auf Anfrage.Wegen des dichten Versorgungsnetzes in Europa sei es jederzeit möglich, auf die Netze anderer Betreiber zurückzugreifen.

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