Welt : Die großen Fische verschwinden

Dagmar Dehmer

Nairobi/Berlin - Große, wirtschaftlich bedeutende Speisefische wie Tunfisch, Kabeljau, Schwertfisch und Merlin sind auf dem Rückzug. Ihre Vorkommen sind im Vergleich zum vergangenen Jahrhundert um rund 90 Prozent zurückgegangen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) und der Welt-Naturschutzunion (IUCN), die am Freitag veröffentlicht wurde. Die beiden Organisationen fordern, angesichts der massiven Überfischung vieler Fischarten, des Klimawandels, der Erwärmung und Versauerung der Ozeane schnell internationale Regeln für die Bewirtschaftung der Tiefsee und der offenen Meere zu finden. Diese müssten sich eher an den „ökologischen Grenzen“ orientieren als an politischen, fordert die Autorin der Studie, Kristina M. Gjerde von der IUCN.

Achim Steiner, der neue Unep-Exekutivdirektor, der bis vor kurzem IUCN - Generalsekretär war, sagte: „Die Fähigkeit der Menschheit, die Tiefsee auszubeuten, ist massiv gestiegen. Das Tempo der Veränderungen hat unsere Institutionen und Schutzbemühungen überholt.“ Bisher hätten sich die Anstrengungen zum Schutz bestimmter Arten auf die Küstengewässer beschränkt. Doch nun würde die Tiefseefischerei oder auch die Ölförderung in Tiefen von 2000 Metern und mehr betrieben, häufig in den Gebieten, die von keinerlei internationalem Recht mehr reguliert werden, ergänzt Gjerde.

Bisher seien weniger als zehn Prozent der Ozeane erforscht, stellt Gjerde fest. Mehr als 50 Prozent der Tiere, die aus Tiefen von mehr als 3000 Metern gefischt werden, seien neue Arten. In den vergangenen 42 Jahren sei die Menge der jährlich gefangenen Fische von 20 Millionen Tonnen auf 84,5 Millionen Tonnen gestiegen. Der Beifang, also unerwünscht im Netz verendende Tiere, liege bei 20 Millionen Tonnen im Jahr. 24 Prozent der weltweiten Fischbestände seien völlig überfischt. Der Wert der illegal gefangenen Fische liegt bei rund 4,9 bis 9,5 Milliarden US-Dollar. Das Geschäft mit den legal in der Tiefsee gefangenen Fischen beläuft sich dagegen „nur“ auf 300 bis 400 Millionen US-Dollar.

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