Die Havarie in Italien : Giglio – einer der Toten ist Berliner

Insgesamt vier tote Deutsche wurden bisher identifiziert. Einer von ihnen ist der vermisste 66-jährige gehbehinderte Mann aus Adlershof. Seine Begleiterin wird noch vermisst.

Erste Verschmutzungen wurden rund um das Schiff gefunden.
Erste Verschmutzungen wurden rund um das Schiff gefunden.Foto: AFP

Berlin - Unter den vier bisher geborgenen deutschen Todesopfern des Schiffsunglücks der „Costa Concordia“ ist auch ein Berliner. Es wurde ein 66-jähriger Mann aus Adlershof identifiziert, wie ein Sprecher der Polizei am Donnerstag bestätigte. Der Mann war, wie berichtet, gehbehindert und zusammen mit einer ebenfalls gehbehinderten 60-jährigen Begleiterin an Bord gewesen. Von ihr fehlt nach wie vor jede Spur, sie gilt weiter als vermisst. „Ich bin erschüttert, vom Tod des Mannes zu hören. Jeden Tag denke ich, die beiden kommen um die Ecke und sind wieder da“, sagte der Nachbar des Paares, Lothar S., am Donnerstag. Er habe immer mal wieder über den Gartenzaun mit der Frau geplaudert, die sich erst zu Weihnachten einer Hüftoperation unterziehen musste. „Er hatte vor einiger Zeit einen Schlaganfall und trug auch eine künstliche Hüfte“, sagte der 64-Jährige. Wie berichtet, hatte die Tochter, die ebenfalls in Berlin lebt, die beiden Gehbehinderten als vermisst gemeldet. Der Fall hat in der Nachbarschaft große Trauer ausgelöst. Die drei weiteren tot geborgenen Deutschen stammen angeblich aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Im Meeresschutzgebiet um die „Costa Concordia“ sind erste Verschmutzungen gemessen worden; ein größerer Fleck auf dem Wasser wurde Tage zuvor entdeckt. Die Situation sei zwar noch „tragbar“, aber für eine vom Tourismus und der Fischerei abhängige Region „heikel“, sagte ein Sprecher des WWF am Donnerstag.

Der Kapitän gerät immer mehr unter Druck. Die Verantwortung für den Schiffbruch liege „mit Sicherheit“ bei Francesco Schettino, sagte der Generalkommandant der italienischen Hafenämter, Admiral Marco Brusco, am Donnerstag in einer Anhörung des Senats in Rom. Bei einem rechtzeitigen Alarm hätte es wahrscheinlich keine Toten gegeben. Schettino habe bei der Havarie vor zwei Wochen eine „kostbare Stunde“ für die Rettung der etwa 4200 Passagiere und Crewmitglieder verstreichen lassen. Auch die Reederei widersprach Schettino, der gesagt hatte, ein Manager habe die Unglücksroute nahe der Insel Giglio verlangt. „Dieses Manöver war nicht autorisiert. Wir waren darüber nicht informiert“, hatte Costa-Chef Pierluigi Foschi am Mittwoch im Senat erklärt. Schettino habe allein entschieden. (dapd/Tsp/AFP/dpa)

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