Welt : Die Hitze ist vorbei ­ jetzt wird es warm

KATHRIN SPOERR

In der Stadt ist man sicherer vor Bodenozon / In Karlsruhe war es in diesem Jahr mit 35 Grad am wärmstenVON KATHRIN SPOERRDie Hitze fordert jährlich ihren Tribut: Transpirationsflecken auf blauen Oberhemden, Schweißgeruch in öffentlichen Verkehrsmitteln.Das eigene Auto zu besteigen, kostet Überwindung ­ 50 Grad warm wird es drinnen schnell, wenn die Sonne eine Weile auf ein dunkles Metalldach brennt. Überhaupt ist Temperatur etwas Relatives: Als Irrtum mögen Bewohnern der Großstädte die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes erscheinen, dessen Vorhersagen dieser Tage kaum die 30-Grad-Grenze überschritten.In den fünf professionellen Wetterstationen Berlins herrschen andere Bedingungen als in Straßenschluchten und auf Südbalkonen.In weiß gestrichenen, durchlüfteten Häuschen aus Holzlamellen hängen die amtlichen Thermometer und messen die Wärme in genau zwei Metern über dem Boden.Das "Temperaturempfinden" sei hingegen abhängig von Sonneneinstrahlung und Luftfeuchtigkeit ­ Faktoren außerhalb der Wetterhäuschen, sagt Detlef Schulz vom Deutschen Wetterdienst Potsdam. Gerd, Hannes und Ilja heißen die Hochdruckgebiete, die seit mehr als 14 Tagen das Wetter in ganz Europa dominieren.Die stets männlichen Vornamen vergibt, in alphabetischer Folge, das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin.Gestern erreichte Hannes seinen Höhepunkt.Mit 35 Grad war Karlsruhe die heißeste deutsche Stadt dieses Sommers.Im Süden leidet man aber dennoch weniger: "Wir sind aus den Vorjahren an ganz andere Temperaturen gewöhnt", sagt Karsten Harloff, Allgemeinmediziner aus Karlsruhe. Warm war es auch in Berlin ­ am Freitag 31 Grad.Mit den Temperaturen stieg auch die Belastung mit Bodenozon, das entsteht, wenn die Sonne lange auf schadstoffbelastete Gebiete scheint.Dennoch empfiehlt Martin Wieczorrek, Meteorologe beim Wetterdienst Meteofax Berlin, empfindlichen Menschen, lieber in der Stadt zu bleiben."In Reinluftgebieten ist die Ozonbelastung höher als in den Städten." Im Schwarzwald atme es sich also schwerer als in den Stadtzentren ­ jedenfalls was das stechend riechende, Atemnot und Augenreizungen hervorrufende Ozon betreffe.Der Grund: Autos produzierten zwar ozonfördernde Kohlenwasserstoffe, gleichzeitig aber auch Kohlenmonoxid, unter dessen Einfluß das Ozon sofort zerfalle. Die größte Hitze hat Deutschland überstanden.Von heute an werde es kühler, "aber nicht kalt".Noch mindestens zehn warme Tage prophezeiht Wieczorrek.

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