Welt : Die Hoffnung läuft mit

1500 Kilometer von Berlin nach Paris: Am Donnerstag startete der deutsche Mukoviszidose-Marathon

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Von Sabine Beikler

Sie ist unbekannt, obwohl sie eine Spitzen-Athletin ist. Zweimal gewann Martina Kärcher die Silbermedaille im 400-Meter-Lauf bei den Weltmeisterschaften, 1997 in Sidney und zwei Jahre später in Budapest. Darauf ist sie stolz, nur „ein Wunder ist das nicht, wenn lediglich neun Frauen dabei sind.“ Ihre Titel holte sich die 30-Jährige nicht bei offiziellen Wettkämpfen, sondern bei den Weltspielen der Transplantierten. Fast konkurrenzlos.

Martina Kärcher ist Mukoviszidose-krank. Vor sieben Jahren bekam sie eine neue Lunge und eine neue Niere. Seit der Transplantation geht es ihr mit Ausnahme einer hartnäckigen Bronchitis „supergut“. Und in erster Reihe startete sie am Donnerstag auf dem Berliner Gendarmenmarkt beim vierten Hoffnungslauf der Interessenvertretung Mukoviszidose e.V. Dieser Lauf wird einmal im Jahr als Benefizveranstaltung organisiert und führt über Potsdam, Magdeburg, Frankfurt am Main und Saarbrücken bis nach Paris. Über 1500 Kilometer werden in zehn Tagen zurückgelegt. Das Kernteam bilden 24 Läufer, die abschnittsweise von Schülern oder Sportvereinen begleitet werden. In Saarbrücken treffen die Sportler auf Läufer aus Frankreich: Dort ist der Hoffnungslauf, der von französischen Mukoviszidose-Gruppen vor 13 Jahren ins Leben gerufen wurde, inzwischen zu einer sehr populären Veranstaltung geworden.

Mukoviszidose e.V. will mit diesem Lauf nicht nur informieren, sondern vor allem Eltern von kranken Kindern und Erwachsenen mit Mukoviszidose eines vermitteln: Auch trotz dieser Krankheit kann es ein sportliches, schönes Leben geben. Burkhard Farnschläger hat gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert und sagt vor dem Lauf mit schwarzem Humor: „Die Lebenserwartung der ,Mukos’ liegt bei 32 Jahren. Jetzt habe ich den Durchschnitt mal wieder ein Stück angehoben.“

Die Münchner Schauspielerin Michaela May ist seit einiger Zeit Botschafterin der Mukoviszidose e.V. Sie sammelt Spenden für Forschungsprojekte. „Die Pharmaindustrie hat an der Heilung von Mukoviszidose kein kommerzielles Interesse“, sagt sie. Bei „nur“ 6000 bis 8000 Kranken in Deutschland und 20 000 in den USA würde sich eine intensive Forschung für die Pharmaindustrie nicht rentieren. „Ich hoffe, dass es bald einmal ein Medikament gegen diese Krankheit gibt. Dafür kämpfe ich.“ Michaela May hat einen Krankheitsfall in ihrer nächsten Umgebung erlebt. Der Sohn Jan ihrer Nachbarsfamilie war Mukoviszidose-krank und starb Anfang der achtziger Jahre mit 29 Jahren. Rund 4000 Mitglieder zählt die Organisation Mukoviszidose e.V.. Der Verein unterstützt bundesweit 35 bis 40 Forschungsprojekte und ist auf Spendengelder angewiesen. Er arbeitet eng mit der Christiane-Herzog-Stiftung zusammen, die die verstorbene Frau des früheren Bundespräsidenten gegründet hatte. Christiane Herzog trug maßgeblich dazu bei, dass die Krankheit bekannt wurde. Sie sagte einmal: „Als ich Mitte der achtziger Jahre mit meiner Arbeit begann, konnte kein Nichtmediziner diese Krankheit fehlerfrei aussprechen.“

Martina Kärcher und Burkhard Farnschläder wollen auch im nächsten Jahr wieder beim Hoffnungslauf an den Start gehen. Hoffentlich: „Das schlimmste, was passieren könnte, wäre ein verstauchter Fuß oder ein gebrochenes Bein“, sagt die 30-Jährige.

Weiteres unter:

www.mukoviszidose-ev.de

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