• Die Industrie verspricht in naher Zukunft eine Creme, die dem Alterungsprozess entgegenwirkt

Welt : Die Industrie verspricht in naher Zukunft eine Creme, die dem Alterungsprozess entgegenwirkt

Petra Eiden

Die ewige Jugend ist der große Traum der Menschheit. Doch bisher haben, trotz intensivster Anstrengungen der Pharma- und Kosmetik-Industrie, weder Pillen noch Cremes den körperlichen Verfall aufhalten können. Daher verglich es das Wochenmagazin "Der Spiegel" mit einer platzenden Bombe, als der scheidende Henkel-Chef Hans-Dietrich Winkhaus auf der Hauptaktionärsversammlung letzte Woche erklärte: "Die Vision der ewig jungen Haut wird in einigen Jahren Wirklichkeit."

Janine Arnold, Pressereferentin für Kosmetika bei Henkel, bestätigt: "Wir arbeiten an der Vision, den Alterungsprozess der Haut zu verzögern." Einschränkend fügte sie allerdings hinzu, dass das Unternehmen nur die umweltbedingte, also beispielsweise durch UV-Strahlung, Ozon oder Rauchen ausgelöste Alterung der Haut im Visier hat. "In die genetisch bedingte Hautalterung können und wollen wir nicht eingreifen", so Arnold. Winkhaus war vorgeprescht, weil Henkel - nach Unternehmensangaben - als eine der ersten Kosmetikfirmen eine künstliche Haut entwickelt hat, mit deren Hilfe die komplizierten Vorgänge in unserer Körperhülle besser als bisher erforscht werden können. Denn während viele andere Kosmetikfirmen noch auf relativ einfache Zellkultursysteme angewiesen sind, enthält das "Henkel Hautequivalent" verschiedene wichtige Zelltypen der menschlichen Haut.

Nach Auskunft von Christoph Geilen, leitender Oberarzt in der Dermatologie des Universitätsklinikums Benjamin Franklin, sind in der Wissenschaft diese so genannten organotypischen Zellkulturen bereits seit etwa zehn Jahren bekannt. Bei ihrer Herstellung werden Zellen der Oberhaut, also Keratinozyten und teilweise Melanozyten (Pigmentzellen), auf eine natürliche oder eine künstliche Unterhaut aufgebracht und in Kulturschalen gezüchtet. Mit Hilfe dieser künstlichen Haut lassen sich heute bereits Patienten mit Verbrennungen versorgen oder die Vorgänge in der Haut wissenschaftlich erforschen. Neu scheint laut Geilen zu sein, diese Zellkulturen im größeren Maßstab herzustellen, so dass sich eine industrielle Anwendung lohnt.

Auch Geilen wertet die Entwicklung als einen Fortschritt: "Damit steht ein standardisiertes System zur Verfügung, mit dem sich verschiedene Substanzen besser vergleichen lassen." Er warnte jedoch vor überzogenen Hoffnungen: "Bei Kosmetikaprüfungen ist auch sehr wichtig, wieviel Substanz über die Haarfollikel aufgenommen wird und in dieser Kunsthaut scheinen noch keine Haare integriert zu sein."

Die Beeinflussung der Hautalterung könnte nach der heutigen Vorstellung auf drei Ebenen geschehen: Erstens wird die Haut im Alter dünner, weil sie sich regelmäßig schuppt und im Laufe der Zeit das Nachwachsen neuer Zellen nachlässt. Dem könnten Cremes vielleicht entgegenwirken. Ein zweiter Angriffspunkt ist die Schutzbarriere der Haut. Sie besteht aus Ceramiden und schützt vor Schädigungen von außen und Feuchtigkeitsverlusten von innen. In der Forschung gibt es bereits erste Ansätze, die Ceramide mit Cremes auf die Haut aufzutragen oder die Ceramidproduktion der Hautzellen zu fördern. Auch im Handel sind bereits kosmetische Produkte erhältlich, die Ceramide enthalten. Geilen bezweifelt jedoch deren Wirksamkeit: "Da stellt sich die Frage, ob die Ceramide tatsächlich die Schutzfunktion der Haut oder nur die Werbung der Firma unterstützen, denn die eingesetzten Ceramidkonzentrationen sind bisher sehr gering." Während Kosmetika, die auf diesen beiden Ebenen wirken, jedoch überwiegend die Oberhaut erreichen und daher vornehmlich in der Lage sind, kleine Unebenheiten auszugleichen, steht bei der Faltenbildung die Unterhaut im Vordergrund, wo oxidativer Stress, ausgelöst beispielsweise durch Rauchen oder UV-Licht, zu strukturellen Veränderungen führen kann. Ob sich bereits vorliegende Schäden wieder reparieren lassen, ist fraglich. Geilen: "Wenn das Kollagen degeneriert ist, ist es degeneriert. Da wird Vitamin C nicht mehr so viel helfen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben