Welt : „Die Kontrollen im Süden sind nicht immer gut“

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Wie erklären Sie es sich, dass ein offenbar unbewaffneter Täter auf dem Flug von Albanien in die Türkei am Dienstagabend problemlos ein Flugzeug in seine Gewalt bringen konnte?

Offenbar ist man sich nicht sicher gewesen, ob der Mann nicht doch bewaffnet war. Das ist immer eine Entscheidung des Flugkapitäns, der die individuelle Situation an Bord beurteilen muss. Da man nicht grundsätzlich von Terrorakten wie in den USA ausgehen wird, bietet sich im Zweifelsfall der Weg des geringsten Widerstandes an.

Wäre so etwas an Bord eines deutschen Flugzeuges denkbar oder würde man versuchen, den Täter zu überwältigen?

Auch das hängt vom Einzelfall ab. Es kommt auch darauf an, wie sich das Team in der Kabine verhält, ob beispielsweise einige beherzte, kräftige Passagiere zupacken, oder man sich passiv verhält. Bewaffnete Flugbegleiter gibt es nur auf bestimmten, als besonders gefährdet geltenden Flügen.

Wie schützt man sich vor Entführungen und wie sicher sind die Kontrollen?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. An den deutschen Flughäfen sind die Passagier- und Gepäckkontrollen sehr gut und effektiv. In südlichen Ländern ist das nicht immer der Fall, so dass man als Pilot gewisse Zweifel hat, was die Personenkontrollen angeht. Auch wenn die Cockpittüren grundsätzlich verschlossen sind, liegt auch hier die letzte Entscheidung beim Flugkapitän, wie er auf eine mögliche Bedrohung von Menschen in der Kabine reagiert.

Die Fragen stellte Rainer W. During.

Thomas Kärger

ist Flugkapitän

und Vorsitzender

des Pilot/Controller Clubs in Berlin.

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