Welt : Die Legende von den vielen Frauen

Was verbinden wir mit der arabischen Welt? Ein paar Stichworte

Andrea Nüsse[Kairo]

Wüste: Die arabische Welt wird zumeist mit Wüste und Beduinen gleichgesetzt. Dabei grenzen zahlreiche Länder an das Mittelmeer oder verfügen an den Ufern großer Flüsse wie dem Tigris, Euphrat oder Nil über fruchtbaren Ackerboden. In diesen Regionen entwickelten sich früher als in Europa große Städte wie Bagdad, oder Damaskus, in denen eine seßhafte Bevölkerung eine blühende urbane Kultur schuf. Dennoch fällt in einem großen Teil der arabischen Welt nur extrem wenig Niederschlag, fast die ganze arabische Halbinsel ist Wüste ebenso wie große Teile Nordafrikas. Heute gibt es auch auf der arabischen Halbinsel kaum noch Beduinen, die ohne festen Wohnsitz in der Wüste herumziehen. Dennoch werden der Ehrenkodex und die Fähigkeiten der Vorfahren, die der Wüste trotzten, in den Golfländern noch immer hochgehalten.

Kamel: Kamele waren über Jahrhunderte das Haupttransportmittel in den trockenen Gegenden der arabischen Welt. Die Tiere, die ihre Körpertemperatur senken und tagelang ohne Futter und Wasser auskommen können, waren ein ideales Lastentier in der Wüste. Heute werden sie nur in schwer zugänglichen Gegenden genutzt. Ansonsten werden sie hauptsächlich für Kamelrennen gezüchtet, die in der Region sehr beliebt sind. Oder für Touristen bereitgehalten, um deren Vorstellungen vom Orient zu bedienen.

Harem: Die Vorstellung, dass jeder Mann in der arabischen Welt mehrere Frauen zu seinem Vergnügen in einem besonderen Trakt seines Hauses halte, hat die westliche Fantasie von jeher beflügelt. Dabei waren Harems nur in sehr reichen Familien vorhanden und die wenigsten der Frauen hatten sexuelle Kontakte mit dem Hausherren. Besonders dokumentiert ist der Harem am osmanischen Hof. Das Wort Harem bezeichnet im Arabischen den Trakt des Hauses, den Besucher nicht betreten dürfen, in denen die Frauen der Großfamilie sich aufhielten. Sie waren strikt getrennt von Empfangszimmern, die fremde Männer betreten konnten. „Haram“ oder „harem“ bedeutet „verboten“ oder „verschlossen“. So sind die heiligen Städte Mekka und Medina in Saudi-Arabien „haram“ für Nichtmuslime, sie dürfen sie nicht betreten.

Kopftuch: Kaum ein Kleidungsstück wird derart mit einer islamisch geprägten Lebensweise in Verbindung gebracht wie der Schleier oder das Kopftuch. Dabei gibt es seit den ersten Jahrhunderten nach Mohammed wissenschaftliche Debatten darüber, ob der Islam die Verschleierung vorschreibt. Aus dem Koran und den Prophetentraditionen lässt sie sich nach Ansicht vieler Gelehrter nicht eindeutig ableiten. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die teilweise oder völlige Verhüllung in weiten Teilen der arabischen Welt durchgesetzt hat. Die Gründe dafür sind vielfältig und oftmals keineswegs rein religiös: Neben den islamistischen Neuinterpretationen spielen häufig sozialer Druck, das Demonstrieren politischer Opposition oder auch Schutz vor unangenehmen Blicken eine Rolle.

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