Welt : Die letzten Agenten des KGB In Stuttgart stehen

zwei Spione vor Gericht.

Raim Waible

Stuttgart - Der Fall erinnert an vergangen geglaubte Zeiten. Über 20 Jahre lang sollen Heidrun und Andreas Anschlag für den russischen Geheimdienst SWR in Deutschland spioniert haben. Beauftragt wurde das Ehepaar noch vom berüchtigten KGB. Nun muss es sich vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten.

Auf Kooperation der Angeklagten kann das Gericht nicht bauen, nicht einmal ihre wahren Namen sind bekannt. Sie sollen ihre Auftraggeber mit Informationen über die politischen und militärischen Angelegenheiten der Nato und der Europäischen Union bedient haben. Der Spionagering interessierte sich für das Verhältnis zwischen dem Westen und den ehemaligen Teilrepubliken Osteuropas und Asiens. Er wollte auch wissen: Was unternimmt die EU im Kosovo, was in Georgien?

Als wichtige Quelle fungierte offenbar ein Beamter im Außenministerium der Niederlande. Er soll, gegen ein Honorar von 72 000 Euro, zwischen Oktober 2008 bis August 2011 amtliche Dokumente aus unterschiedlichen Bereichen seines Ministeriums und verschiedenen Botschaften beschafft und per USB-Sticks an die unauffällig lebenden Agenten weitergeleitet haben. Die Geheimniskrämerei des Ehepaars hat auch vor ihrer Tochter nicht haltgemacht. Die in Deutschland lebende 21-jährige Medizinstudentin soll von der Tätigkeit der Eltern keine Ahnung gehabt haben.

Schon 2011, nachdem in den USA ein russischer Agentenring um die als „Agentin 00Sex“ bekannt gewordene Anna Chapman ausgehoben worden war, drohte den Anschlags die Enttarnung. Kurz bevor sie sich absetzen konnten, wurden sie verhaftet. Raimund Waible

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