Welt : Die letzten Tage der Whitney Houston

Bei der Pre-Grammy-Probe war sie konfus, doch kurz vor ihrem Tod sang sie einen Gospel und kehrte damit zu ihren Wurzeln zurück.

Lars Halter
Unter Schock. Clive Davis, ihr Mentor, spricht kurz nach dem Tod auf der Pre- Grammy-Gala. Gäste der Gala vor dem Eingang, der Totenwagen, Blumen der Fans.
Unter Schock. Clive Davis, ihr Mentor, spricht kurz nach dem Tod auf der Pre- Grammy-Gala. Gäste der Gala vor dem Eingang, der...Foto: AFP

Im Staples Center von Los Angeles waren die Proben für die Grammy-Verleihung in vollem Gange, Rihanna sang gerade „We Found Love“, als diese Nachricht kam: Whitney Houston ist tot, gestorben im Beverly Hilton, knapp zehn Meilen entfernt. „Ich finde keine Worte, nur Tränen“, sagte Rihanna später, während die Grammy-Macher das Programm für die große Show am Sonntagabend spontan umbauten und ein Whitney-Houston-Medley von Jennifer Hudson als Tribut für die verstorbene R&B-Diva ins Programm hoben.

Eine solche Würdigung gibt es nur für die allergrößten Stars. Am Vorabend der Grammys war Houston zur traditionellen Party ihres Entdeckers und Mentors Clive Davis im Beverly Hilton erwartet worden. Nachdem sich die Todesnachricht verbreitet hatte, lag unendliche Trauer über der Veranstaltung. „Whitney liebte die Musik“, eröffnete Davis den Abend, der für alle Versammelten zu einer tränenreichen Gedenkfeier wurde, bei der unter anderem HipHop-Star Sean Combs und Tony Bennett der Sängerin huldigten. „Mein Herz ist schwer, und ich bin am Boden zerstört“, sagte Davis selbst.

Ihren letzten Auftritt hatte Whitney Houston am Donnerstagabend bei einer weiteren Party im Rahmen der Grammy-Woche gehabt, als sie ihre Freundin und Kollegin Kelly Price bei deren R&B-Tribut „Kelly Price & Friends“ unterstützte. Im langen schwarzen Kleid kam sie als Überraschungsgast und sang „Yes, Jesus Loves Me“, einen Gospel, mit dem sie zu ihren Wurzeln zurückkehrte – Whitney Houston, wenige Jahre vor den Rassenunruhen im Schwarzenviertel von Newark (New Jersey) geboren, hatte ihre ersten Auftritte in der dortigen New Hope Baptist Church.

Ein Gospel war nun ihre letzte Verbeugung. Der Auftritt lebt als Handy-Video im Internet weiter. Da steht Whitney Houston neben Kelly Price. Sie singen ein Duett, aber von ihrer einst Welten bewegenden Stimme ist nur ein Krächzen zu hören. Kraftlos entgleitet ihr die Melodie.

Einen Tag zuvor war sie bei den Proben zu Clive Davis’ Party aufgetaucht und hatte dem wiedervereinigten Duo Brandy & Monica für deren Performance Tipps gegeben. Anwesende Journalisten bezeichneten Houstons Verhalten als „seltsam und unberechenbar“. Ihre Kleidung habe nicht gepasst, ihr Haar sei tropfnass gewesen. Sie habe ungewöhnlich wild gestikuliert, sei „wie ein Kind durch den Saal gehüpft“ und später „etwas verloren durch die Lobby geirrt“, schrieb die „Los Angeles Times“. Bei Interviews, die sie gab, habe sie nach Alkohol und Zigaretten gerochen.

Der Sicherheitsdienst des Hotels hatte sich zuvor bereits um die Sängerin kümmern müssen, als diese am Pool Handstände machen wollte. Warum die Sängerin so seltsam auftrat, wird zur Zeit rekonstruiert. Die Behörden in Los Angeles haben mit einer Obduktion begonnen und werden in den nächsten Tagen wissen, ob Houston unter Drogeneinfluss stand. Die amerikanischen Zeitungen sind derweil voll von Nachrufen und wilden Spekulationen. Während CNN vermerkt, dass Houston in den letzten Tagen „gesund und strahlend schön“ gewirkt habe, beschreibt die „Los Angeles Times“ die Sängerin als „sichtlich aufgedunsen“. Houston hatte über viele Jahre massive Drogenprobleme, vor allem während ihrer 14-jährigen Ehe mit dem Sänger Bobby Brown.

Über die Umstände ihres Todes und die Vorgänge nach ihrem Auffinden gibt es widersprüchliche Darstellungen. Wenige Stunden nach dem Tod berichtete der US-Sender ABC, ihr Körper sei „leblos in der Badewanne ihres Hotelzimmers“ im kalifornischen Beverly Hills gefunden worden. Ohne Nennung von Quellen berichtete der Sender am Sonntag weiter, noch im Laufe des Tages oder am Montag solle eine Autopsie der Leiche der 48-Jährigen vorgenommen werden. Der Tod wurde am Samstag um 15 Uhr 55 Uhr Ortszeit festgestellt. Zunächst hatte es geheißen, die Sängerin sei auf dem Boden liegend gefunden worden, Wiederbelebungsversuche seien gescheitert.

Die Polizei in Beverly Hills war zunächst zu einer Stellungnahme zu dem ABC-Bericht nicht zu erreichen. In der Nacht hatte Polizeisprecher Mark Rosen gesagt, Hinweise auf ein Verbrechen gebe es nicht. „Wir untersuchen noch, aber auf den ersten Blick weist nichts auf eine kriminelle Absicht hin“, sagte Rosen. Der Sender Fox News berichtete am Sonntag, Houston sei von ihrem Leibwächter gefunden worden. Nach Informationen des Senders CNN hatte dagegen Houstons Freund, R&B-Sänger Ray-J, einen Notruf abgesetzt, durch den die Alarmkette in Gang gesetzt wurde. Berichten zufolge soll eine Gruppe von Feuerwehr-Sanitätern zufällig im Hotel gewesen sein. Sie starteten Wiederbelebungsversuche, bevor die Sängerin für tot erklärt wurde. Eine Stunde zuvor soll Whitney Houston mit ihrer Mutter Cissy telefoniert haben, der während des Gesprächs nichts Ungewöhnliches aufgefallen sein soll.

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