Welt : Die Mehrheit der jungen Paare ist glücklich und zufrieden

Familienministerin Bergmann wirbt für modernes Männerbild

Die Mehrheit der jungen Paare in Deutschland ist nach einer Umfrage der Zeitschrift "Brigitte" glücklich und zufrieden. Dies treffe auch in den Betten zu, heißt es in der am Montag in Berlin veröffentlichten Erhebung, an der 1001 Frauen und Männer von 18 bis 35 Jahren teilnahmen. 91 Prozent fühlten sich "sexuell befriedigt". Karriere, Wohlstand, Schönheit, Fitness, Freunde und Selbstverwirklichung gehörten zum Wohlbefinden der jüngeren Generation.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann warb bei der Vorstellung der Studie für ein modernes Männerbild. Nach der Umfrage sind 90 Prozent überzeugt, dass sich beide Partner um Familien- und Erziehungsarbeit kümmern sollten. 80 Prozent sagten: "emanzipierte Frauen machen den Haushalt nicht allein." Ministerin Bergmann sagte dazu: "Dieses Ergebnis macht deutlich, dass in den Köpfen der jungen Menschen die traditionellen Rollenbilder von einem modernen, partnerschaftlichen Geschlechterbild abgelöst sind". Allerdings zeige die Studie auch, dass die Realität immer noch anders aussehe, bedauerte die SPD-Politikerin. "Frauen kaufen ein, kochen, putzen und betreuen die Kinder. Im Alltag hat sich an der traditionellen Aufgabenteilung also noch nicht so viel geändert."

Ein Grund dafür seien die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die einer partnerschaftlichen Teilung der Erziehungs- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern im Wege stünden. Mit der geplanten Novellierung des Bundeserziehungsgeldgesetzes wolle die rot-grüne Bundesregierung die Rahmenbedingungen verbessern. "Männer und Frauen erhalten beispielsweise durch die Möglichkeit, Erziehungsurlaub zu nehmen, mehr Spielraum bei der individuellen Lebensplanung", sagte Bergmann. Mit dem Recht auf Teilzeitarbeit von bis zu 30 Stunden werde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert. Beide könnten im Beruf bleiben und sich der Erziehungsarbeit widmen. Ein wichtiges Ziel bei der Gesetzesänderung seien Anreize, damit sich mehr Männer an der Familienarbeit beteiligen. Zurzeit seien von den Eltern im Erziehungsurlaub nur 1,5 Prozent Väter. "Das sind eindeutig zu wenig", sagte Bergmann. Sie kündigte für Herbst eine Kampagne an, um "für ein modernes Väter- und Männerbild" zu werben. Die Mehrheit der Befragten kann nach der Brigitte-Erhebung vier Paar-Typen zugeordnet werden. Die Glücklichen mit 49 Prozent leben eher nach dem traditionellen Rollenmuster, sind verheiratet und haben Kinder. Der Mann ist voll berufstätig und die Frau zuständig für den Haushalt.

Die Zufriedenen mit 20 Prozent sind der Umfrage zu Folge meist jünger und unverheiratet. Sie wohnen häufig noch getrennt. Die Zweifelnden mit zehn Prozent sind ebenfalls eher jung und noch kinderlos. Vor dem "Aus ihrer Beziehungen" standen bei der Umfrage sieben Prozent. Dabei handle es sich in der Regel um Ältere, die oft unverheiratet und kinderlos sind.

Das traditionelle Rollenmuster scheint nach der Umfrage das erfolgreichste Partnerschaftsmodell zu sein. Vor allem die "Glücklichen" fühlen sich in ihrer Beziehung "aufgehoben und geborgen". Dass die 18- bis 35-Jährigen trotz ihrer modernen Ansichten in tradierte Rollenmuster abglitten, habe vermutlich wirtschaftliche Gründe, folgern die Statistiker. Die meisten Männer verdienten immer noch deutlich mehr als Frauen. Bergmann zeigte sich überrascht über die hohe Zahl der Menschen, die sich in ihrer Beziehung als glücklich bezeichnen, obwohl sie entgegen ihrer Ideale lebten. Dies sei eine große Diskrepanz zwischen "verbaler Offenheit" und "Verhaltensstarre". Ein Grund dafür, dass sich im Alltag noch nicht viel an der traditionellen Aufgabenverteilung getan habe, seien die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar