Welt : Die Moskauer feiern auf edlen Bällen oder mit süßem Sekt

Elke Windisch

Vor dem Eingang des Moskauer Zoos steht ein Schneemann. Vor seinem mächtigen Bauch baumelt ein Briefkasten. Über 25 000 russische Kinder haben ihm bereits ihre Wunschzettel für Väterchen Frost anvertraut - den russischen Weihnachtsmann, der am letzten Tag des alten Jahres kommt. Väterchen Frost residiert seit neuestem in einem Millennium-Erlebnispark bei Wologda in Nordwestrussland. Dort ist ein ganzer Stab damit beschäftigt, die Briefe der lieben Kleinen zu beantworten. Auf dem Puschkin- Platz, etwa 700 Meter vom Kreml entfernt, sind unterdessen meterhohe Eisskulpturen zu bewundern. Kunstvolle Tiere, Zwerge und sogar ganze Bauwerke. Gewöhnlich findet der Wettbewerb Anfang Februar statt, weil arktische Hochdruckgebiete dann meist für lang anhaltendes Frostwetter sorgen. Doch dieses Jahr ist alles anders: Moskau fiebert der Jahrtausendwende entgegen. Klotzen, nicht kleckern, heißt das Motto.

Absoluter Höhepunkt der Millenniumsfeier soll der Ball-2000 im Bolschoi-Theater sein, auf dessen Bühne zu Silvester gewöhnlich Peter Tschaikowskis "Nussknacker" das Zepter schwingt. Erstmalig in der langen Geschichte des berühmten Theaters werden die Fans von Oper und Ballett an diesem Silvester nicht Zuschauer, sondern Akteure sein. Mehrere Hundert Gäste werden hier ein Sechs-Gänge Menü verspeisen, zubereitet von Starköchen eines Fünf-Sterne-Hotels. Auf der Bühne darf die illustre Gesellschaft ab 23 Uhr zu den Klängen des Bolschoi-Orchesters das Tanzbein schwingen. Dazu kommen Kabarett-Einlagen und eine Millenniums-Tombola. Das Fest ist schon seit einer Woche ausgebucht, obwohl das Vergnügen alles andere als preiswert ist. Die billigsten Karten gingen für 400 Dollar über den Tisch, bis teuersten kosteten 1500 Dollar. Ausklingen soll die Mega-Show nach Mitternacht mit einem grandiosen Feuerwerk auf dem Theaterplatz.

Moskau amüsiert sich, so lange der Geldbeutel mitmacht. Bei sehr vielen dürfte es dennoch nur zur Sektflasche reichen - natürlich mit russischem Sekt und dem Volksgeschmack entsprechend sehr süß. In den letzten Sekunden des alten Jahres werden traditionell Tausende den Roten Platz bevölkern, um sich gegenseitig zuzuprosten. Noch mehr Familien allerdings werden wie in jedem Jahr dem Trubel fernbleiben und sich mit dem zufrieden geben, was die Glotze ihnen bietet.

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