Welt : Die "Mücke" sticht die Reichen

EKATERINA POPOWA

Bulgariens Polizei konfisziert Luxusautos und prüft, ob sie im Westen gestohlen sindVON EKATERINA POPOWA SOFIA.Mit einem Schlag sind in diesen Tagen die Luxuslimousinen von den Straßen Bulgariens verschwunden.Genauer: seit die Polizeiaktion "Mücke" angelaufen ist.Der neue Innenminister Bogomil Bonew will schärfer gegen Korruption, Steuerhinterziehung und illegale Geschäfte vorgehen und läßt alle Autos, die mehr als 100 000 DM wert sind, zur Überprüfung sicherstellen.In Sofia halten Uniformierte die hochwertigen Wagen ohne Angaben von Gründen an und zwingen die Fahrer, zur größten Kaserne der sogenannten "Inneren Gruppen" namens Wrana vor den Toren der Hauptstadt zu fahren. Von dort werden sie zu Fuß nach Hause geschickt.Wrana ist voll von Mercedes-Fahrzeugen der S-Klasse, 7er BMWs und Geländewagen jeglicher Art, alle fast nagelneu.Die Polizei interessiert sich vor allem für Autos, die nach 1994 hergestellt wurden. "Wir wollen wissen, ob diese teuren Wagen nicht gestohlen wurden" sagt Innenminister Bonew."Weiter prüfen wir mit Hilfe der Steuerbehörden, woher die Besitzer der dicken Autos das Geld hatten und ob sie es versteuert haben.Und schließlich wird nach Verstecken für Waffen und Drogen gesucht sowie nach Verbindungungen zu entsprechenden dunklen Geschäften." In den ersten zwei Tagen hat die Polizei im ganzen Land 10 000 Fahrzeuge sichergestellt.Bei 99 waren die Papiere nicht in Ordnung, diese Autos wurden beschlagnahmt.In sechs weiteren Wagen wurden Waffen gefunden, bei vieren war rasch eindeutig, daß sie gestohlen wurden.Es hat sich wohl herumgesprochen, daß Bulgarien Endstation für viele Limousinen ist, die im Westen abhanden kommen.Bisher aber hat die hiesige Polizei in der Regel die Augen zugedrückt.Die Auto- und die Versicherungsmafia werden den Stich der "Mücke" jedoch auch diesmal kaum spüren.Denn ihre Mitglieder wußten nach Angaben hoher Polizeibeamte bereits zwei Tage vorher von der geplanten Aktion.Sie konnten heiße Ware in abgelegenen Garagen verstecken.Privathäuser und Autosalons darf die Polizei ohnehin nur mit einer Anordnung der Staatsanwaltschaft durchsuchen.Allein in Sofia sind 600 Mercedes-Fahrzeuge der S-Klasse und 3000 Audi-, dazu über 1000 teurere BMW-Modelle registriert."Die offiziellen Besitzer der Wagen, die wir bei der Überprüfung nicht vorfanden, erhalten Vorladungen vor Gericht", warnt Minister Bonew."Sie werden dann besonders streng kontrolliert." Hunderte empörte Bulgaren überschütten die Polizei jetzt mit Beschwerden.Mehrere drohten dem Innenminister, sie würden ihn auf Schadenersatz verklagen, weil gute Geschäfte wegen der Folgen der Aktion geplatzt seien.Aber Bogomil Bonew gibt sich entschlossen weiterzumachen.Nach den Luxusautos von Privatleuten sollen teure Geschäftswagen folgen und danach hochwertige Wohnhäuser, deren Kosten nicht zu den beim Finanzamt angegebenen Einkünften passen.Das dürfte sich sich als harter Schlag gegen Bulgariens Zöllner erweisen.Sie haben oft die größten Eigenheime und gelten als die am stärksten korrumpierten Staatsdiener.

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