Welt : Die Mutter von Harry und Sally

Erfolg und öffentlicher Orgasmus – zum Tod der Hollywood-Autorin und Regisseurin Nora Ephron.

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Für Frauen ist es nach wie vor schwierig, die Regie eines teuren Hollywoodfilms anvertraut zu bekommen. Und der Erfolg von Kathryn Bigelow, die für den Irak-Kriegsfilm „The Hurt Locker“ als erste Frau den Regie-Oscar gewonnen hat, ändert nichts an dem Schubladendenken in der Branche. Es lautet: Frauen dürfen, wenn überhaupt, nur bei romantischen Komödien Regie führen, die ein weibliches Publikum ansprechen. Nora Ephron hat dieses ungeschriebene Gesetz akzeptiert und ist dadurch die kommerziell erfolgreichste Regisseurin Hollywoods geworden.

Für den Erfolg musste sie einen hohen Preis bezahlen: Sie wurde nicht als Regisseurin wahrgenommen und galt bis zuletzt mehr als regieführende Drehbuchautorin. In ihrer Geburtsstadt New York ist sie am Dienstag an den Folgen der Leukämie gestorben.

Das Schreiben war ihr förmlich in die Wiege gelegt worden, denn ihre Eltern Phoebe und Henry Ephron bildeten ein populäres Autorengespann mit klarer Vorliebe für saubere Familienunterhaltung. Durch ihren zweiten Ehemann Carl Bernstein, der als Journalist den Watergate-Skandal mit aufgedeckt hat, entwickelte Nora Ephron mehr politisches Engagement und verfasste das Drehbuch zu „Silkwood“ (1983), in dem Meryl Streep eine Anti-Atom-Aktivistin verkörperte.

Doch das rein Private lag ihr mehr: Sie verarbeitete die turbulente Ehe mit Bernstein in dem autobiografischen Roman „Sodbrennen“, der 1986 mit Meryl Streep verfilmt wurde, und schaffte den ganz großen Durchbruch mit „When Harry Met Sally ...“ („Harry und Sally“, 1989), ihrer ersten von insgesamt drei romantischen Komödien mit Meg Ryan.

Deren öffentlicher gespielter Orgasmus in einem Restaurant gehört zu den bekanntesten und meistimitierten Szenen der jüngeren Filmgeschichte.

Für „Schlaflos in Seattle“ (1993) und „E-Mail für Dich“ (1998) setzte sich Ephron selbst auf den Regiestuhl und ließ abermals die Kassen klingeln. „Sie liebt die Schauspieler mehr als die Menschen“, spottete der berühmte britische Filmkritiker David Thomson, aber Nora Ephron wird das nicht als Beleidigung empfunden haben.

Sie wollte nicht den grauen Alltag einfangen, sondern den Stars dienen und ihnen große glamouröse Auftritte verschaffen. Das hat sie so lange getan, wie es ihre Gesundheit erlaubte. Ihr letzter Film „Julie & Julia“ (2009) brachte sie erneut mit Meryl Streep zusammen und war ein bisschen autobiografisch, denn wie die beiden Titelheldinnen, die auf zwei Zeitebenen porträtiert werden, hat auch Nora Ephron Koch-Kolumnen verfasst. Mit Rezepten kannte sie sich aus, in jeder Hinsicht.

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