Welt : Die neun Leben des John Lennon

Am Broadway feierte ein Musical über den Musiker eine umjubelte Premiere – und zeigt, dass seine Botschaft noch immer relevant ist

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New York Der Präsident heißt nicht mehr Nixon, sondern Bush. Und Amerikas Kriegsschauplatz ist nicht mehr Vietnam, sondern der Irak. Doch John Lennon singt immer noch für den Frieden. Als am Sonntagabend bei der Premiere des ersten Broadway-Musicals über den Ex-Beatle dessen „Give Peace a Chance“ erklingt, wird klar: Lennon ist immer noch relevant, vielleicht gar relevanter denn je.

Auf der Bühne des Broadhurst-Theaters gleich neben dem Times Square tauchen „Stop the War!“-Poster auf, und es gibt Szenenbeifall. Manch einer singt Lennons Antikriegshymne mit. Der Applaus danach wie auch nach jedem anderen der 27 Lennon-Songs dieser Show und der Jubel zum Schluss zeigen: Das biografische Musical „Lennon“ ist ein neuer Hit am Broadway, und bald wohl auch in vielen anderen Metropolen der Welt.

Die Überarbeitung des Stücks nach einem nicht so glücklichen Probelauf in San Francisco hat gut getan. Die Handlung ist nun straffer, konzentrierter. Das Musical hat Drive. Und der originelle Grundgedanke der Inszenierung von Regisseur und Autor Don Scardino kommt viel besser zum Tragen: Lennon hat quasi neun Leben. Er wird, immer wieder abwechselnd, von neun verschiedenen Darstellern gespielt. Von Männern und Frauen, von Weißen wie von Schwarzen.

Mit dieser Idee hatte Scardino, der sich am Broadway Anfang der 90er Jahre mit Stücken wie „Sacrilege“ und „A Few Good Men“ einen Namen machte, Lennons Witwe Yoko Ono überzeugt. „John hätte das auch gefallen“, sagte die japanische Künstlerin. „Es ist ungewöhnlich, aber es trifft genau das, was John und ich zum Ausdruck bringen wollten: Wir sind alle eins.“ Auf den Einigkeits-Gedanken war Scardino durch Lennons Song „I Am the Walrus“ gekommen – mit dem etwas konfusen Vers „I am he, as you are he, as you are me, and we are all together.“

Dass „Lennon“ chronologisch aufgebaut ist, gibt dem Stück eine stabile Grundlage, auf der die hochklassigen Sänger und Tänzer ein Feuerwerk an Musikalität, Witz und Dynamik entfachen. Die Zeit vergeht wie im Fluge – von Lennons Kindertagen in Liverpool über den Hamburger Star-Club, erste Welterfolge, Meditation in Indien, seine Anfälle von Gottsein, die Trennung der Beatles, Drogen, Sex, Antikriegsproteste, die Verfolgung Lennons durch das FBI und schließlich seine Ermordung vor fast 25 Jahren vor dem Dakota-Building am Central Park.

„Imagine“ erklingt als letzter Song des Musicals. Mit Lennons Wunschtraum von einer Welt des friedlichen Miteinanders im Ohr verlässt man das Theater. Doch schon nach ein paar Schritten holt einen die Realität auf den riesigen Videoschirmen am Times Square wieder ein. Die Bilder sind allzu deutlich: Das Blutvergießen im Irak geht weiter. dpa

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