Die Niederlande und die Monarchie : Das Volk kommt auf den Geschmack

Ein lächerliches Inthronisierungslied hat die Monarchie der Niederlande sogar noch gestärkt. Ein tapferes Häuflein Republikaner steht da mit seinen Protesten ziemlich alleine.

Juurd Eijsvoogel[Amsterdam]
Schlichter Mann mit klugen Frauen. Willem-Alexander, Königin Beatrix, Ehefrau Maxima.
Schlichter Mann mit klugen Frauen. Willem-Alexander, Königin Beatrix, Ehefrau Maxima.Foto: dpa

In den Niederlanden versucht eine kleine Gruppe tapferer Republikaner, das Volk für seine Prinzipien zu gewinnen. Das ist nicht so leicht. Die letzte Woche vor der Inthronisierung des neuen Königs Willem-Alexander hat zwar eine Kontroverse um das sogenannte Königslied hervorgebracht, das zur Inthronisierung gesungen werden wird, aber das reicht nicht für eine nationale Debatte über die Monarchie.

Was für ein Lied. Kultur ist in den Niederlanden immer ein emotionales Thema. Das zeigt die mehr als zehn Jahre dauernde heftige Debatte über die multikulturelle Gesellschaft. Man sieht es in dem bitteren politischen Streit über Subventionen für die Künste. Und man sieht es jetzt wieder in dem Wirbel, den das Königslied verursacht hat.

Sofort nach der Veröffentlichung dieses Liedes brach ein Shitstorm los. Der Text war nach Ansicht der Kritiker grammatisch wackelig, inhaltlich zusammenhanglos, kindisch, kitschig und auf lächerliche Art nationalistisch. Auch die Melodie wurde mit Spott überhäuft. Obwohl der Komponist John Ewbank das Lied sofort zurückzog, hat das Nationale Komitee zur Amtseinführung des Königs anders entschieden. Das Lied bleibt. Es wird am 30. April in einem großen „Mitsingkonzert“ für alle gesungen.

Die Republikaner sind zu bedauern. Das peinliche Lied macht die niederländische Monarchie zwar ungewollt lächerlich, gefährden tut es sie nicht. Ganz im Gegenteil. Der Aufstand gegen das Königslied wurde hauptsächlich von den kulturellen Eliten der Gesellschaft und den Medien angeführt. Von jener Elite also, die ein dankbares Ziel für Populisten und Monarchisten ist. Grammatische Fehler? Sentimentaler Kitsch? Was bildet sich die arrogante Oberschicht eigentlich ein, über den Geschmack des Volkes zu urteilen? Das Lied war gewissermaßen demokratisch entstanden, jeder durfte Vorschläge einsenden, inhaltlich und musikalisch, und daraus wurde ein Mischmasch gerührt, der es jedem recht machen will, mit erwartbarem Ergebnis.

Die Gegner des Lieds haben den Streit jetzt verloren. Es wird nicht aus dem Programm gestrichen, die Menschen werden es singen, so wie es ist. Die Schulklassen üben schon ganz fleißig, im Radio läuft es am laufenden Band. Und die Populisten triumphieren, dass das Volk die Elite in diesem Kulturstreit besiegt hat.

Für Willem-Alexander ist das kein schlechter Beginn seiner Herrschaft. Seine Mutter, Königin Beatrix, hatte einen Teil des Volkes durch ihre Plädoyers für die multikulturelle Gesellschaft und die europäische Einigung entfremdet. Der populistische Politiker Geert Wilders hatte sie deshalb öffentlich kritisiert und verspottet. Auch die neue Königin Máxima hat die Wut der Populisten auf sich gezogen, als sie sagte, dass es in der multikulturellen Gesellschaft „den Niederländer“ nicht mehr gibt.

Willem-Alexander war immer etwas volkstümlicher als seine Mutter. Sie interessiert sich für moderne Kunst und klassische Musik, er liebt Sport und ein Bier. Und jetzt bekommt er ein Lied, das ihn mehr an das Volk als an die Elite bindet.

Das Häuflein aufrechter Republikaner lässt sich von alledem nicht irritieren. Sie werden am 30. April an sechs Orten gegen die Monarchie demonstrieren. Sie haben sich einen Plan ausgedacht. Sie werden statt in Orange in Weiß gekleidet sein. Außerdem lassen sie weiße Ballons steigen, die ein Transparent mit einem entschiedenen Statement in die Luft tragen werden. Und sie haben sogar ein eigenes Lied für den neuen König. Die ersten Sätze lauten: „Ik Willem niet, ik Willem niet“ – was so viel bedeutet wie: „Ich will Willem nicht, ich will Willem nicht.“

Das reicht noch nicht einmal für eine Kontroverse.

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