Die Philippinen nach Taifun "Haiyan" : Hilfe kommt kaum an

Die Hilfslieferungen aus aller Welt sind in vollem Gange. Aber bei den Opfern in den philippinischen Katastrophengebieten kommt die Hilfe nur spärlich an. Plünderungen und Schießereien sind die Folge.

Soldaten patrouillieren mit einem Panzer in den Straßen von Tacloban. Foto: dpa
Soldaten patrouillieren mit einem Panzer in den Straßen von Tacloban. Foto: dpaFoto: dpa

In den philippinischen Katastrophengebieten wird es für die Sicherheitskräfte immer schwieriger, Gewaltausbrüche und Plünderungen zu verhindern. In der Nähe der besonders hart getroffenen Stadt Tacloban starben beim Ansturm auf ein Lebensmittellager acht Menschen. Eine Mauer sei eingestürzt und habe die Menschen unter sich begraben. In Tacloban wurden hunderte Soldaten stationiert und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Polizei stoppte am Mittwoch nach einer Schießerei eine Massenbestattung von Sturmopfern.

In dem Dorf Abucay unweit von Tacloban lieferten sich Sicherheitskräfte Feuergefechte mit bewaffneten Zivilisten. Lagerhäuser stünden mittlerweile leer, deswegen gingen die Menschen jetzt auf einzelne Häuser los, sagte Taclobans Stadtverwalter Tecson John Lim. Doch er äußerte Verständnis: „Das Plündern ist kein Verbrechen. Es geht um Selbsterhaltung.“

Warum die Hilfe nicht ankommt

Es lagern inzwischen jede Menge Hilfsgüter an den Flughäfen von Manila und in Cebu. Dort muss aber alles auf kleine Flieger umgepackt werden, weil nur diese in Tacloban landen können. Mit dem Schiff dauert es vom nächsten Hafen ein bis zwei Tage dorthin. Zwei Schiffe der Marine sind inzwischen mit Hilfsgütern angekommen.

Warum sie nicht eher geschickt wurden, ist unklar. „Nicht der liebe Gott hat die Menschen bei dem Desaster verlassen, sondern die Regierung“, schimpft der Bürgermeister von Davao, Rodrigo Duterte. In den ersten Tagen war es die schiere Zerstörung. Flughäfen und Hafenanlagen waren kaputt, Brücken eingestürzt. Dann konnten auf der beschädigten Landebahn von Tacloban kleine Flieger landen, aber die Straßen waren unpassierbar.

Am Ort war auch einfach nicht sofort genügend Personal im Einsatz, weil Polizisten sich um ihre eigenen Familien kümmerten. Die Regierung war vom Ausmaß der Katastrophe überfordert. Es gab keine Telefone, keinen Strom, kein Internet. Weil die Überlebenden kein Essen und Trinkwasser bekamen, haben sie begonnen, Geschäfte zu plündern. Weil die Lage gefährlich wurde, haben die Behörden vor den Hilfsgütern Polizei und Soldaten in die Region geschickt.

Wie viel derzeit verteilt wird

Das Sozialministerium listet 44 000 Essenspakete und 35 000 Halbliterflaschen Wasser auf, die an einem Tag in Tacloban vergeben wurden. Aber das reicht bei weitem nicht. Allein in Tacloban leben 220 000 Menschen. Hunderttausende weitere brauchen Hilfe. (Tsp/dpa/AFP/rtr)

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