Welt : Die Piloten kämpften elf Minuten lang gegen den Absturz

Sie wägten ab zwischen Notwasserung und Notlandung auf dem Flughafen Los Angeles mit dem Risiko, eine Siedlung zu treffen

Elf dramatische Minuten lang haben die Piloten der Alaska Air am Montag über dem Pazifik gegen den Absturz ihrer Passagiermaschine gekämpft. Es gelang ihnen kurzfristig, das rasch absinkende Flugzeug zu stabilisieren. Entgegen ihrer Ankündigung, eine Notlandung auf dem Flughafen von Los Angeles zu versuchen, hielten sie die Maschine mit 88 Menschen an Bord über dem offenen Meer - entweder, um in letzter Sekunde eine Notwasserung zu wagen oder um eine noch größere Katastrophe bei einem Absturz über bewohntem Land zu vermeiden. Das ergibt sich aus den Aufzeichnungen des Sprechfunkverkehrs zwischen dem Kontrollturm und den Piloten. Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle vor der kalifornischen Küste gingen am Mittwoch weiter. Es galt als unwahrscheinlich, dass noch Überlebende gefunden werden können. Experten haben Signale aufgefangen, die von den Flugrecordern des wahrscheinlich in mehr als 200 Metern Tiefe liegenden Flugzeuges stammen dürften.

Spezialschiffe mit einem ferngesteuerten U-Boot zur Bergung der Aufzeichnungsgeräte werden am Donnerstag an der Unglücksstelle erwartet. Und so verliefen die letzten Minuten am Montagnachmittag (Ortszeit): 15.55: Flug 261 erhält Landeerlaubnis für San Francisco. 16.10: Pilot meldet Höhenverlust und Kontrollprobleme. 16.11: Pilot meldet Flughöhe von 23 700 Fuß (7200 Meter), ein Höhenverlust von über 2000 Metern in wenigen Sekunden. Kurz darauf: Flugzeug ist "irgendwie stabil", meldet der Pilot. "Wir arbeiten an dem Problem." Die Piloten erhalten Genehmigung für eine Flughöhe von 20- bis 25 000 Fuß. 16.15: "Der Heck-Stabilisator ist blockiert", melden die Piloten. Sie haben Probleme, die Höhe zu halten. Sie beantragen und erhalten Notlandeerlaubnis in Los Angeles. 16.17: Funkrufe des Kontrollturms werden nicht mehr beantwortet. 16.21: das Flugzeug verschwindet von den Radarschirmen. Die US-Transportsicherheitsbehörde (NTSB) erhofft sich weitere Aufklärung über den Hergang der Ereignisse von der Aufzeichnung des Sprechfunkverkehrs zwischen Crew und Mechanikern der Fluggesellschaft in Seattle während der kritischen letzten Minuten. Das Band sollte am Mittwoch in den NTSB-Labors in Washington ausgewertet werden.

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