Welt : Die Rock-Oldies kommen nach Berlin

The Zimmers schaffen es schon in die Charts

Sassan Niasseri

Seit Wochen sind sie der Hit bei Youtube, diese Woche schafften sie es sogar in die Charts – die britische Rentnerband The Zimmers mit ihrer Version des alten Hits „My Generation“.

Die Zeile „I hope I die before I get old“ aus „My Generation“ ist der bekannteste Protestslogan der Rockmusik. Mit „Ich hoffe zu sterben, bevor ich alt werde“ schrieb Pete Townshend 1965 ein Bekenntnis zu Übermut und Drogenexzess und eine Abfuhr an die Elterngeneration. Seitdem wurde der Song von tausenden Bands gecovert. Wohl nicht mit Drogen, dafür aber mit den Problemen des Alters haben die Mitglieder von „The Zimmers“ zu kämpfen, die den Song jetzt neu interpretierten: Das älteste Mitglied des 40 köpfigen Chors wird im September 101, die jüngste Sängerin ist 63, der Gruppendurchschnitt liegt bei 78 Jahren. Gemeinsam ist das geriatrische Kollektiv 3000 Jahre alt. Gecastet wurde die Band für eine britische Fernsehsendung in verschiedenen Altersheimen.

Ironische Neubewertung machen die „Zimmers“ zum Prinzip: Sie können schließlich am besten beurteilen, ob es nicht doch gut ist, alt geworden zu sein. Ihr mit humoristischen Einlagen gespickter Videoclip wurde über zwei Millionen Mal auf dem Videoportal Youtube angeklickt: Eine Dame macht Townshend’sche Windmühlenbewegungen auf der Gitarre und zertrümmert anschließend das Instrument, ein gebückter Herr zeigt den Mittelfinger in die Kamera, im Gänsemarsch geht’s dann mit Krückstock über den Zebrastreifen der Abbey Road – eine Hommage an das berühmte Plattencover der Beatles. „I hope I die before I get old“ singt der 90-jährige Alf Caretta so professionell wie einst „The Who“-Frontmann Roger Daltrey – nämlich ohne eine Miene zu verziehen.

Ein Album ist in Planung, unter anderem mit der im Titel abgewandelten Beatles-Coverversion „When I’m (one hundred and) 64“, und es gibt bereits Daten für eine Europatournee. Am 27. Oktober soll die Band nach Berlin kommen – laut ihrer Myspace-Seite (www.myspace.com/thezimmersband) treten sie in einem Club namens „The Beerkeller auf“, der „free Sauerkraut and Schnitzel“für alle über Sechzigjährigen anbietet. Die „Zimmers“, deren Name an „Zimmer Frame“ (englisch für „Gehwagen“) angelehnt ist, sind also bald on the road. Allerdings gibt es da ein Problem: Buster Martin, der 100-jährige Band-Oldie, darf womöglich nicht ausreisen. Wie Martin sagte, hat er keinen Pass. Im Kindesalter, also Anfang des 20. Jahrhunderts, kam er als Einwanderer aus dem Baskenland nach England – und sei damit als Franzose „der älteste Illegale im Land“. Jetzt erst, da die Tournee bevorsteht, habe er seinen Ausweis beantragt. Bis er den hat, kann Martin, der in einer Wohnanlage bei London lebt, seinem eigentlichen Beruf nachgehen: Als Klempner macht er dreimal die Woche Hausbesuche.

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