Welt : Die Royals: Königliche Streithähne

Hendrik Bebber

Prinz Charles vergaß die feine englische Art: "Du bist ein vollkommener Trottel", fauchte er wutschnaubend seinen jüngeren Bruder Prinz William am Telefon an, als dieser sich für das unglaubliche Verhalten seiner Fernsehproduktionsfirma entschuldigen wollte. So zitiert ihn jedenfalls das Massenblatt "Mirror" in der Balkenüberschrift auf der Titelseite. Der Bruderzwist im Hause Windsor verdrängte in den Aufmachern der britischen Zeitungen sogar die Jagd nach Osama bin Laden.

Fernsehreporter hatten das Versprechen gebrochen, Prinz William bei seinem Studium in der schottischen Universität St. Andrews in Ruhe zu lassen. Empört beschwerte sich der 19-jährige Thronanwärter beim Buckingham Palast. Zur peinlichen Überraschung stellte sich heraus, dass das Kamerateam im Auftrag seines Onkels Prinz Edward handelte.

William hatte den Medien die Gelegenheit gegeben, ihn ausgiebig beim Eintreffen in der Universität zu fotografieren und zu filmen. Als Gegenleistung gelobten die britischen Zeitungen und Fernsehsender vollkommene Abstinenz bis zum Studienabschluss in vier Jahren. Doch bei seinem ersten Gang zum Hörsaal tauchte schon wieder ein Kamerateam auf. Mitarbeiter der Universität warfen die Reporter hinaus, aber sie schlichen sich am folgenden Tage wieder auf das Gelände. Von der Polizei zur Rede gestellt, gaben sie sich zunächst als freie Journalisten aus. Doch dann bekannten sie, für die Produktionsfirma "Ardent" zu arbeiten. Diese gehört Prinz Edward, dem jüngsten Sohn der Königin. Die Dreharbeiten erfolgten für die Fernsehserie "A-Z des Königshauses", die der Prinz an einen amerikanischen Sender verkauft hatte.

Zunächst behauptete "Ardent", dass sie mit Erlaubnis von Prinz Charles und der Universität gehandelt hatten. Als dies von beiden Seiten energisch dementiert wurde, musste sich Prinz Edward eine peinliche Entschuldigung abringen. Damit ist es jedoch nicht getan. Charles drängt bei der Königin darauf, dass sie seinem Bruder die Leviten ließt. Nach Angaben der "Times" werde Charles dazu am Sonntag nach Schottland fahren, wo die Königin noch immer Sommerurlaub macht. Er solle sich endlich zwischen seinen Rollen als Mitglied der königlichen Familie und seinen Ambitionen als Fernsehmacher entscheiden. Nach Äußerungen seines Hofes würde Charles "vor Zorn beben". Er hält sowieso die von Edward für einen amerikanischen Sender gedrehte 13-teilige Fernsehserie "A-Z des Königshauses" für "großen Mist" und steht damit in seiner Familie nicht allein. Nur Prinz Philip hält seinem Lieblingssohn die Stange und ließ sich von ihm für den Film interviewen.

Edward benutzte schon in der Vergangenheit recht dubiose Mittel um sein Unternehmen aus den roten Zahlen zu retten. Bei offiziellen Besuchen in Malaysia und Brunei, wo er die Königin vertrat, warb er ungeniert für seine Firma und heimste bei den Sultanen Fernsehdokumentationen über ihre Gärten ein. Der finanzielle Druck wurde noch stärker, als seine Frau Sophie wegen eines Skandals als Direktorin ihrer PR-Firma zurücktreten musste. Sie hatte im Gespräch mit einem Journalisten, der getarnt als schwerreicher Ölscheich ihre Dienste suchte, flapsige Bemerkungen über ihre königlichen Verwandten und britische Politiker gemacht.

"Wir fühlen uns nach Strich und Faden hintergangen", kommentierte der Universitätsrektor Andrew Neil. "Es besteht natürlich immer die Gefahr, dass die Medien das Abkommen über Prinz William brechen. Aber dass dies sofort durch die Firma seines Onkels geschah, ist einfach hirnverbrannt." Die Pressesprecherin von Prinz Charles, der alles daran setzt , um seinem Sohn ein ungestörtes Studium zu sichern, nannte das Vorgehen seines jüngsten Bruders "enttäuschend".

Für die Zeitungen ist es natürlich ein gefundenes Fressen. "Du bis ein Lügner, Edward", titelte die Boulevardzeitung "Sun" und widerlegte Punkt für Punkt ("Lügner! Lügner! Lügner") dessen anfänglichen Behauptungen, dass "Ardent" mit Genehmigung von Prinz Charles gedreht hätte. Die konservative "Times" sprach von "schlichter Dummheit" und der antimonarchistische "Guardian" freut sich über eine "Selbstzerstörung" des Königshauses.

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