Welt : Die Schöne und der Normale

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Von Christine-Felice Röhrs

Was die Schildkröte wohl macht am Hochzeitstag von Claudia Schiffer? Ob sie ein paar Salatblätter extra bekommen hat? Ob sie mit darf in die Kirche? Das wäre nur gerecht. Schließlich hat hat sie Amor gespielt zwischen dem deutschen Topmodell und dem britischen Filmproduzenten Matthew Vaughn. So zumindest geht die Legende.

Es ist eine hübsche Vorstellung: der Mann, wie er der blonden Frau seine Hände entgegenstreckt, darin das schläfrig blinzelnde Panzertierchen. Dann schaut der Mann nach oben, schließlich ist die Schiffer um einen Kopf größer, und lächelt. Genau da soll sie sich verliebt haben, heißt es. Vielleicht ist es das romantischste Detail dieser Liebesgeschichte, von der wir so wenig mitbekommen haben.

Schon immer hat Claudia Schiffer ihr Privatleben abgeschirmt, und als sie am Samstag den Mann heiratete, mit dem sie seit eineinhalb Jahren liiert ist, erfuhr man auch nicht viel. Ein elfenbeinfarbenes Hochzeitskleid von Valentino. 300 Gäste. Ein 400 Jahre altes Schloss im ostenglischen Suffolk. Coldham Hall heißt es, und man hat Fotos gesehen vorher, wenigstens das. So konnte man zumindest in der Phantasie dabei sein.

Eine lange, sandige Auffahrt war auf diesen Bildern zu sehen und ganz am Ende ein Haus aus verwittertem, rotem Backstein mit weißen Fensterläden – ein unprätentiöses Heim. Diese Auffahrt werden die Gäste wohl genommen haben, als sie am Samstagmorgen eintrudelten, darunter Brad Pitt, Jennifer Aniston, Elton John, Naomi Campbell, Boris Becker, auch Madonna und Guy Ritchie. Letzterer ist nicht nur ein Freund des Bräutigams, sondern auch sein Geschäftspartner. 1997 hatten die beiden die SKA-Filmproduktionsgesellschaft gegründet und seitdem Filme gemacht wie „Bube, Dame, König, Gras“. Dessen Hauptdarsteller, Vinnie Jones, sollen Braut und Bräutigam übrigens zum Amt des Zeremonienmeisters verdonnert haben. Jones begrüßte also die Gäste. Da war bis zur Trauung um 17 Uhr Ortszeit – hier 18 Uhr – noch viel Zeit.

Braut mit 31. Das ist eigentlich noch jung. Und trotzdem überrascht es – man kennt Claudia Schiffer doch schon sooo lange, man meint, sie müsste älter sein bei allem, was sie schon geschafft hat. Immerhin ist das Modell schon seit 14 Jahren im Geschäft.

Entdeckt wurde Claudia Schiffer mit 17, in der Düsseldorfer Nobeldisco Checker’s. Eigentlich dürfen Minderjährige da nicht rein, aber große blonde Mädchen haben es ja nie schwer, Türsteher zu überzeugen. Ein paar Stunden später hatte die Schülerin die Telefonnummer einer Pariser Modelagentur in der Tasche. Es folgte: eine Metamorphose.

Am Anfang, das hat Claudia Schiffer einmal erzählt, war das Schminken noch wie eine Rüstung. Da versteckte sich hinter dem Make-Up noch die Bohnenstange, die in der Klasse immer hinten gesessen hatte aus Angst vor den Sticheleien der Mitschüler. Aber schon ein Jahr später war die Anwaltstochter aus Rheinberg ein Star, dank Karl Lagerfeld, der sie zum Gesicht der 90er Jahre erklärt hatte. Hunderte Titelbilder folgten, Gagen von 50 000 Euro am Tag und Werbeverträge mit L’Oréal und Citroën. Auf 60 Millionen Euro wird ihr Vermögen geschätzt. Es ist ihr wohl nicht zu Kopf gestiegen.

Denn Skandale um Drogen oder Depressionen hat es bei der Schiffer nie gegeben – nur Erfolge. Das hatte allerdings auch einen Preis: Sie gehe selten aus, sei aber trotzdem ständig müde, sie rauche nicht und trinke keinen Alkohol, hat Claudia Schiffer einmal erzählt. „Und Sie werden mich nirgendwo um sechs Uhr morgens feiern sehen, wenn ich morgens arbeiten muss.“ Na gut, ein bisschen langweilig ist das schon. „So deutsch, so sauber“ schreiben ihre Kritiker.

Endlich ein Mann, der sich traut

Vor drei Jahren hat sich das Modell schließlich vom Laufsteg verabschiedet. Sie habe so viel verpasst, hat Claudia Schiffer damals gesagt. Die Beziehung zu Zauberer David Copperfield war gescheitert – vielleicht hat es sie auch nie gegeben – die zum Gentlemanschwindler Tim Jeffries sollte bald darauf zerbrechen. Sie lerne wenig Männer kennen, „weil die sich, glaube ich, nicht trauen, keine Ahnung, warum“, sagt das Modell in dieser Zeit. Aber nur Wochen später ändert sich plötzlich alles: Bei einem Essen in Madonnas Haus trifft sie Matthew Vaughn zum ersten Mal – einen nicht besonders großen, nicht besonders hübschen Mann mit schütterem Haar. Aber: endlich ein Mann, der sich traut.

Jede Blume, jede Tasse und das Essen soll Claudia Schiffer zur Hochzeit selbst ausgesucht haben, heißt es. Hits aus den 80ern zum Tanz, soll sie entschieden haben. Dom Perignon zum Empfang. Und weiße Zelte im Garten für die Feier. Vielleicht musste jemand sogar die Schildkröte mitnehmen. Aber wer weiß das schon genau bei der geheimsten Hochzeit des Jahres? Journalisten waren nicht zugelassen, und Sicherheitschef Gavin de Becker, so hat eine englische Zeitung berichtet, soll sogar Wärmesensoren rund um das abgesperrte Gelände installiert haben, um sie fern zu halten.

Sicher ist: Ihr „Ja“ hat Claudia Schiffer in der nahe gelegen Dorfkirche von Shimpling gesprochen . Und am nächsten Morgen haben sich Braut und Bräutigam und alle Gäste zum Fussballspielen im Park getroffen.

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