Welt : "Die schwarze Hexe": Neues von Morpurgo/Ross

Ulrich Karger

Der Umzug in die Victoriastraße 23 schien erst eine prima Sache zu sein, nicht zuletzt, weil Billy nun nicht mehr mit seiner kleinen Schwester Rula und ihrem Kaninchen Muckel ein Zimmer teilen muss. Doch dann verschwindet Muckel eines Tages. Billy findet das Tier dann aber ausgerechnet im Garten von Hausnummer 22, bei der "schwarzen Hexe". Stets in Schwarz gekleidet, lässt sie Billy kaum mehr als ihre Brille sehen, nachdem er bei ihr angeklopft hat. Bald bereut Billy seinen Wagemut und hätte Muckel lieber nicht wiedergefunden.

Vorurteile und die Angst vor Fremden pflegen Briten gewiss nicht weniger als unsereins, jedoch verfügen sie über eine unwiderstehliche Waffe dagegen. Der angelsächsische Humor vermag exzentrischem Verhalten mit stoischer Gelassenheit, wenn nicht sogar mit insgeheimer Bewunderung zu begegnen. Das spiegelt sich en passant selbst in Morpurgos Nebenfiguren. Eine andere Brücke ist die "Fairness", die sich von erwiesenen Fakten überzeugen läst. Da ihm die "Hexe" das Kaninchen ohne weiteres übergibt, lässt sich Billy auch zu einem Gefallen für sie "hinreißen". Er kümmert sich nun für zwei Wochen heimlich um ihren Kater. Dazu muss er sich wie sie verkleiden, weil "Rambo" das Fressen sonst nicht annimmt und so zudem auch niemand erfährt, das die Hexe nicht zu Hause ist. Das erlaubt sehr komische Verwicklungen, die Tony Ross in seinen Vignetten einmal mehr sehr treffsicher zu unterstreichen weiß. Am Ende stellt sich heraus, dass die Hexe keine Hexe ist, sondern - aber das wird jetzt nicht verraten.

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