Die Seuche breitet sich aus : EU und USA verschärfen Kampf gegen Ebola

Nach neuen Verdachtsfällen wächst in Europa die Angst vor Ebola. Die EU setzt auf verstärkte Kontrollen in Westafrika. Auch US-Präsident Barack Obama kündigt an, Amerika werde "noch energischer" handeln.

Am Flughafen von Skopje in Mazedonien misst eine Wärmebildkamera die Temperatur der Passagiere.
Am Flughafen von Skopje in Mazedonien misst eine Wärmebildkamera die Temperatur der Passagiere.Foto: dpa

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie setzt die EU auf eine Verstärkung der Ausreisekontrollen in den betroffenen westafrikanischen Ländern. Die EU-Gesundheitsminister einigten sich am Donnerstag darauf, "sofort" mit einer Überprüfung an Flughäfen in Liberia, Sierra Leone und Guinea zu beginnen. Unterschiedliche Wege gehen die Europäer weiter in der Frage, ob auch bei der Ankunft in Europa kontrolliert werden muss. Die Wirksamkeit der Abflugkontrollen in Westafrika werde zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO überprüft, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, Hilfe vor Ort sei "die beste Chance", das Ansteckungsrisiko in Europa so gering wie möglich zu halten. Dem europäischen Flughafenverband ACI Europe zufolge wurden bisher 36000 Passagiere bei der Ausreise aus den Ebola-Gebieten Kontrollen unterzogen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Hilfe vor Ort ist die beste Chance

Keine einheitliche Haltung gab zu den von mehreren EU-Ländern eingeführten Gesundheitskontrollen mit Fiebermessen bei der Einreise nach Europa. Gröhe sagte, für Länder mit direkten Flugverbindungen in das Ebola-Gebiet sei dies sinnvoll. Dazu gehört auch Belgien, das bisher noch keine solchen Kontrollen eingeführt hat. Die belgische Regierung hat Gröhe zufolge nun zugesagt, dies zu prüfen. Ankunftskontrollen haben bereits Großbritannien, Frankreich und Tschechien eingeführt oder angekündigt. Aus Deutschland gibt es keine Direktflüge in die drei am stärksten betroffenen Länder. Nach Angaben aus der EU-Kommission kommen derzeit täglich etwa 2350 Passagiere über elf Direktverbindungen nach Europa. Ob das Fiebermessen auch bei der indirekten Einreise nach Europa - also über Anschlussflüge aus nicht betroffenen Ländern - sinnvoll sei, werde noch geprüft, sagte Gröhe.

Vereinbart wurde dagegen laut Borg für den 4. November ein Treffen von medizinischen Experten. Sie sollen prüfen, ob die Verfahren bei der Ebola-Behandlung in Krankenhäusern verschärft werden müssen. Die bisher einzige Ansteckung innerhalb Europas hatte es in einem spanischen Krankenhaus gegeben. Betroffen ist eine Krankenschwester, die aus Westafrika ausgeflogene Infizierte gepflegt hatte. In Frankreich wird nun aber ein womöglich ähnlicher Fall untersucht: Eine Krankenschwester sei mit einem "verdächtigen Fieber" in ein Militärkrankenhaus gebracht worden, hieß es aus mit dem Fall vertrauten Kreisen in Paris. Laut der Zeitung "Le Parisien" hatte die Frau Kontakt zu einer erkrankten Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Zudem wurde ein Passagier eines Air-France Flugs nach seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt Madrid wegen Verdachts auf Ebola untersucht.

In Amerika wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung

Auch in den USA wuchs die Sorge vor weiteren Ansteckungen, nachdem sich in Texas eine zweite Krankenschwester mit dem Virus infiziert hatte. Dass die 29-Jährige am Tag vor ihrer Diagnose einen Inlandsflug genommen hatte, kritisierte der Leiter der US-Seuchenschutzbehörde Centers vor Disease Control (CDC), Tom Frieden. Die Krankenschwester hatte sich wie ihre einige Tage zuvor erkrankte 26-jährige Kollegin in der Klinik in Dallas angesteckt, in welcher der Liberianer Thomas Eric Duncan vergangene Woche an Ebola gestorben war. Die Betreibergesellschaft des Krankenhauses entschuldigte sich am Donnerstag für die Pannen. Der Berufsverband der US-Krankenpfleger (National Nurses United, NNU) wirft der Klinik vor, auf einen Ebola-Fall nicht vorbereitet gewesen zu sein. Die Schutzkleidung sei unzureichend gewesen, eine Schulung der Mitarbeiter habe nicht stattgefunden.

Mehrere Schulen in den USA vorsorglich geschlossen

Aus Angst vor einer Ausbreitung der Ebola-Seuche ist an mehreren Schulen in den USA vorsorglich der Unterricht gestrichen worden. Die Mitarbeiterin einer Schule in Ohio sei möglicherweise im selben Flugzeug wie die Krankenschwester unterwegs gewesen, die sich zuletzt mit dem Virus infiziert hatte. Deshalb blieben zwei Schulen nahe Cleveland in Ohio am Donnerstag geschlossen, teilte der zuständige Schulbezirk mit. In Texas öffneten in der Nähe von Austin zwei Schulen und ein Kindergarten nicht, weil zwei Schüler und ihre Eltern in dem Flugzeug gereist waren. Die betroffenen Gebäude und Schulbusse sollten während der Schließung gründlich gereinigt und desinfiziert werden, teilte der Schulbezirk Belton in Texas mit. Am Freitag sollte der Unterricht stattfinden.

Krisentreffen mit Barack Obama im Weißen Haus

US-Präsident Barack Obama sagte nach einem Krisentreffen im Weißen Haus am Mittwoch, die USA würden "noch energischer" auf die Gefahr durch Ebola reagieren. Es werde sichergestellt, dass die Vorgaben für den Umgang mit Ebola "an Krankenhäuser im ganzen Land" weitergeleitet würden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben bislang fast 4500 Menschen durch die Ebola-Epidemie. Ihre Experten rechnet mit einem starken Anstieg der Krankheitsfälle.

In Westafrika sollen Überlebende als Helfer eingesetzt werden

In Westafrika wird versucht, Ebola-Überlebende für Aufgaben im Kampf zur Eindämmung der Epidemie zu gewinnen. Da sie Immunität gegen das Virus erworben haben, könnten sie etwa als Pfleger für Patienten in Isolierstationen und Quarantänezonen eingesetzt werden. Solche Möglichkeiten sollten bei einem Treffen von Ebola-Überlebenden erörtert werden. Dazu hatten das Gesundheitsministerium von Sierra Leone und das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) 35 Überlebende für Donnerstag und Freitag in die Stadt Kenema eingeladen.

Bundesregierung stellt weitere 17 Millionen Euro bereit

Die Bundesregierung gibt weitere 85 Millionen Euro für den Kampf gegen die Epidemie. Mit den vorher zugesagten 17 Millionen stünden dann 102 Millionen Euro zur Verfügung, wie der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle, sagte. Von dem zuletzt bewilligten Geld entfielen rund 50 Millionen Euro auf das Entwicklungsressort sowie 35 Millionen Euro auf das Auswärtige Amt. Langfristig werde es darum gehen, die Gesundheitssysteme in Westafrika zu stärken. Hierfür stelle Deutschland 700 Millionen Euro zur Verfügung.

Bundeswehr kauft 20 Transportsysteme für Infizierte

Für die Versorgung von Ebola-Infizierten hat die Bundeswehr 20 spezielle Transportsysteme gekauft. Mit diesen könnten Patienten im Liegen zu Behandlungen geflogen werden, sagte Oberstarzt Johannes Backus, Leiter der Task Force Ebola beim Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, am Donnerstag in Koblenz. Drei Exemplare seien ausgiebig getestet worden, etwa in einer Druckkammer. Mit 20 Systemen sei die Bundeswehr gut ausgestattet. „Mir ist kein Land bekannt, das mehr hätte.“ Die jeweils rund 10 000 Euro teuren Transportisolatoren, je zehn eines österreichischen und zehn eines israelischen Herstellers, bestehen im Wesentlichen aus einer luftdichten, transparenten Plastikhülle und sind auf einer Trage angebracht. Sie sollen Ärzte und Pfleger vor Schmier- oder Tröpfcheninfektion schützen. Das Ebola-Virus wird über Sekrete wie Schweiß und Blut übertragen.

Mehr als die Hälfte der Bürger ist gegen Behandlung von Patienten aus Westafrika in Deutschland

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist gegen eine Behandlung von Ebola-Patienten aus Westafrika in der Bundesrepublik. 51 Prozent der Befragten wollten keine Erkrankten aus dem Krisengebiet aufnehmen - 29 Prozent waren dafür, 20 Prozent äußerten sich unentschieden. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervor. Während der aktuellen Ebola-Epidemie nahm Deutschland bislang drei infizierte Afrikaner auf - ein Patient in Leipzig war in der Nacht zum Dienstag an der Seuche gestorben. dpa/AFP

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