Welt : Die spinnen, die Römer!

KATJA HERTIN

In den Bavaria-Studios werden Asterix und Obelix zu Helden aus Fleisch und BlutVON KATJA HERTIN MÜNCHEN.Gasfackeln erhellen ein von Gittern eingefaßtes Oval.Löwen brüllen.Ein Elefant schwenkt mit seinem Rüssel eine leichtbekleidete Frau durch die Luft.In einem Pool warten hungrige Alligatoren auf die Fütterung.Zirkusatmosphäre in Halle 9 der Bavaria-Filmstudios in München.Sechs Wochen haben die 40 Dekorationsspezialisten der Bavaria gebraucht, um eine antike römische Arena erstehen zu lassen.650 Quadratmeter Stoff, 80 Tonnen Stahl, 300 Kubikmeter Kies und 85 Baumstämme haben sie verbaut.Jetzt kann sich Cäsar in seiner prunkvoll ausgestatteten Loge niederlassen, um mit sadistischem Vergnügen den aussichtslosen Wettkampf Mensch gegen Tier zu beobachten.Doch diesmal darf er sich auf eine Überraschung gefaßt machen.Denn der unbeugsame Gallier Asterix wird in der Arena um sein Leben kämpfen.Und wie wir Obelix kennen, wird er seinen Freund nicht im Stich lassen. Das Schicksal von Comic-Helden wie Superman, Batman oder Dick Tracy ereilt nun auch die gallischen Recken: Schauspieler aus Fleisch und Blut erwecken die von Albert Uderzo und René Goscinny erfundenen Figuren zu menschlichem Leben.Im Frühjahr 1999 soll der mit digitalen Trickeffekten angereicherte "Realfilm" - ein Extrakt der 30 Asterix-Alben - in die Kinos kommen.Christian Clavier als Asterix, Gérard Depardieu als sein tapsiges Pendant Obelix, Marianne Sägebrecht in der Rolle der gallischen First Lady Gutemine, Roberto Benigni als intriganter Provinzgouverneur Detritus und James-Bond-Bösewicht Gottfried John als Imperator Cäsar - die Charaktere sind typgerecht besetzt.Trotzdem hat man Mühe sich vorzustellen, wie der französische Regisseur und Drehbuchautor Claude Zidi ("Brust oder Keule") den lakonischen Witz der Comic-Strips in die plumpe Welt der Schwerkraft hinüberretten will.Auch daß die Schauspieler zum Pressetermin in der Kulisse in normaler Kleidung angetreten sind, hilft der Imaginationskraft nicht gerade auf die Sprünge. Doch Albert Uderzo, der seit Goscinnys Tod 1977 die Serie im Alleingang fortführt, hat keine Angst, daß die Vermenschlichung seiner Figuren der Geschichte den Geist austreiben könnte."Der Film wird so spannend, so voller Action sein.Und dann die wunderbaren Schauspieler - da hören die Zuschauer schnell auf, zwischen gezeichneter Vorlage und filmischer Umsetzung zu vergleichen." Auch was den finanziellen Erfolg des Unternehmens anbelangt, sieht Uderzo keinen Anlaß zur Sorge.Seine Gallier sind echte Goldesel: Seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 1959 sind von den Comicalben allein in Deutschland mehr als 90 Millionen Stück verkauft worden.Vom Asterix-Camembert bis zum Idefix-Schuletui verkaufen sich auch die Devotionalien prächtig.Dennoch hat es einige Jahre gedauert, bis das Geld für eine Verfilmung beisammen war.40 Millionen Dollar stark ist das Budget - ein Projekt mit Hollwood-Ausmaßen, und doch kommt die gesamte Finanzierung aus Europa.Neben den französischen und den italienischen Partnern trägt die Bavaria rund 40 Prozent der Kosten.Dafür daß München und nicht Babelsberg das Rennen um den Auftrag gewonnen hat, macht Bavaria-Geschäftsführer Dieter Frank den "Bayern-Effekt" verantwortlich: "Bei uns ist es halt schöner." Trotzdem zieht das Filmteam nach den vierwöchigen Studioarbeiten in München für die Außenaufnahmen nach Paris und in die Bretagne weiter.In Frankreich wird die entscheidende Schlacht zwischen den 2000 Legionären Cäsars und den unbesiegbaren Wildschwein-Freunden geschlagen.Auch das Asterix-Dorf soll in Gallien entstehen, das gebietet der französische Nationalstolz.Marianne Sägebrecht freut sich schon auf ihren herausragenden Auftritt als gewichtige Häuptlingsfreau Gutemine."Die beiden Gallier, die mich auf dem Schild durchs Dorf tragen müssen, werden einen Extraschluck Zaubertrank nötig haben."

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