Welt : Die Sucht nach dem Erfolg

Robbie Williams, der große Star, in der Entzugsklinik – ist seine Karriere am Ende?

Sassan Niasseri

Der Absturz. Am Dienstag hat sich Robbie Williams, es war sein 33. Geburtstag, in eine Prominenten-Entzugsklinik im US-Bundesstaat Arizona einweisen lassen. Dort soll seine Medikamentensucht behandelt werden. Depressionen und Stress, heißt es offiziell. Williams sei vollkommen am Ende und selbstmordgefährdet, schreiben Boulevardblätter. Kehrt er überhaupt wieder ins Geschäft zurück?

Robbie Williams hat sich schon von manchem Tiefschlag erholt – Kokainsucht, Rauswurf bei der Boyband Take That, Trennung von seinem Songschreiber Guy Chambers. Allerdings wird sich der Sänger damit abfinden müssen, dass er längst nicht mehr der Superstar ist, für den er sich hält: Seit seinem Album „Escapology“ von 2002 sinken die Verkaufszahlen stetig, eine damals von seiner Plattenfirma EMI aufwendig inszenierte Werbekampagne, die Williams den Durchbruch in den USA gewährleisten sollte, versandete. Am härtesten aber muss ihn der Misserfolg seines jüngsten Werks „Rudebox“ getroffen haben: eine absurde Mischung aus Disco und Achtziger-Pop, in dem er seine Vorbilder Madonna und die Pet Shop Boys wie ein Kindskopf abfeierte. Einblicke in seine musikalische Entwicklung sollten das sein. Das lag ihm am Herzen, aber alle machten sich über ihn lustig. Sein Konkurrent Justin Timberlake war da schon, auch was die Verkäufe in Europa angeht, längst an ihm vorbeigezogen – und hat mit seinem letzten Album „Futuresex/Lovesounds“ längst bewiesen, wie gut Retrosound klingen kann. Schon seit Jahren gibt Williams freimütig zu, dass er an Depressionen leidet, an Gewichtsschwankungen und an dem Gefühl, nicht zu wissen, wem er eigentlich vertrauen kann. Zwischen den Tourneen sitzt er allein in seiner Villa in Los Angeles. Seit Jahren hat er keine feste Freundin. Dazu der Druck seiner Plattenfirma, doch endlich mit guten Alben zu beweisen, dass er seinen Rekordvertrag von angeblich 120 Millionen Dollar wert ist. Williams hat mit seiner zynischen Art selbst immer wieder dafür gesorgt, dass man ihn nicht ernst nimmt. Er selbst schuf das Bild eines Stars, der einfach nur mit den verschiedenen Seiten des Starruhms kokettiert. Dessen dunkle Seiten seiner Karriere nur förderlich sein können.

Britische Blätter schrieben, zuletzt habe Williams etliche Tabletten des Anti-Depressivas Seroxat geschluckt, dazu mehr als 30 doppelte Espresso pro Tag, 60 Zigaretten geraucht und mehr als 20 „Red Bull“-Energydrinks getrunken. Ein Zombie, der kaum den Tag übersteht und nachts nicht schlafen kann. Dass seine im vergangenen Jahr ohne ihn wiedervereinigte Boyband „Take That“ große Erfolge feiert, während er floppt, könnte ihn zusätzlich gekränkt haben. Obwohl Boybands, ob wiedervereinigt oder nicht, nur von kurzer Dauer sind. Aber es bleiben die Fakten: Der schlechte Verkauf seiner Musik ist für seine Plattenfirma EMI ein Desaster, ihr Kurs befindet sich im freien Fall. Vielleicht wusste Robbie vorher, welch schlechte Bilanz EMI gestern verkünden würde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben