• Die Überflieger: Die Zugvögel kommen zurück! Aber wie finden sie eigentlich ihren Weg?

Welt : Die Überflieger: Die Zugvögel kommen zurück! Aber wie finden sie eigentlich ihren Weg?

Ute Scheub

06storch.gifPsst, ein Geheimtipp: Stell dir doch mal deinen Wecker zwischen vier und fünf Uhr morgens. Denn wenn du die ganze Frühlingszeit über bis in den hellen Vormittag hineinratzst, verpasst du etwas Einmaliges: das Frühkonzert der Vögel. Am Stadtrand oder in Parks tritt als erste die Singdrossel auf, ein hochmusikalisches Tier, das über 400 verschiedene Liedchen beherrscht. Es folgen unter anderem die Amsel, die man auch mitten in der Stadt hören kann und die Meise - "tzizibäh!".

Warum veranstalten die schon zu nachtschlafender Zeit so anstrengende Übungen? Die Biologen sagen: Die Vogelmännchen wollen damit nur Eindruck bei den Weibchen schinden und ihr Revier gegen andere Männchen verteidigen. Aber wenn man ihnen eine Weile zuhört, ist man sich fast sicher, dass sie auch aus einem anderen Grund tirilieren: aus reiner Freude.

Früher haben die Menschen geglaubt, dass die Vögel im Winter auf den Mond fliegen und im Frühjahr einen Jubelgesang über ihre Rückkehr anstimmen. Inzwischen weiß man es besser: Störche, Kraniche, Stare, Mauersegler, Kuckucke, Bachstelzen, Lerchen, Schwalben und die anderen überwintern in südlichen Ländern.

Übrigens weniger wegen der Kälte als wegen der Nahrung. Schwalben oder Bachstelzen fressen am liebsten Mücken, sie zieht es dorthin, wo die Biester schwirren - rund um die Tierherden in der afrikanischen Savanne oder am Mittelmeer. Im Februar oder März aber fliegen sie zurück, denn wenn alle Vögel dort bleiben und ihre Jungen aufziehen würden, wäre das Angebot an Stechmücken (mmh, knackig!) und Fliegen (saftig, lecker!) schnell aufgefressen.

Jahr für Jahr ziehen an die 50 Milliarden Vögel, fast die Hälfte aller Vogelarten, von Nord nach Süd und zurück. Den Weltrekord hält eine Flussseeschwalbe, die in rund 140 Tagen an die 26000 Kilometer von ihrem Nistplatz in Südfinnland bis zur australischen Küste flog.

Aber wie finden die Vögel ihren Weg? Manche haben eine Art inneren Kompass. Winzige Magnetit-Kristalle in ihrem Körper lassen sie spüren, ob sie sich Richtung Pol oder Äquator bewegen. Nachtflieger wie Nachtigallen oder Nachtschwalben orientieren sich auch an Sternenbildern. Tagflieger richten sich nach der Sonne und nach Flüssen, Bergen oder Küsten.

Aber je wärmer unsere Winter werden, desto mehr Vogelarten sagen sich: "Ich müsste doch einen Vogel haben, eine so anstrengende Reise zu unternehmen." Immer mehr Störche, Kraniche oder Amseln überwintern deshalb hier. Und Meisen oder Spatzen sind schon von jeher zu Hause geblieben. Ihnen ist piepegal, dass es hier im Winter keine Insekten gibt, denn sie können sich auch von Körnern und Samen ernähren.

Spatzen sind übrigens die einzigen, denen ein bisschen Gesangsunterricht gut täte. Ihr Morgenlied klingt, als ob jemand in einem Topf voll angebrannter Suppe herumkratzen würde: "tschilp tschilp!" In diesem Fall empfiehlt sich Geheimtipp Nummer zwei: umdrehen, weiterschlafen.

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