Welt : Die Virenkonzentration im Blut sinkt

Behandelnder Arzt und Journalisten-Verband kritisieren Medien

Die Virenmenge der an dem lebensgefährlichen Lassa-Fieber erkrankten Studentin aus Schwäbisch Hall wird geringer. "Die Zahl nimmt ab", sagte der Leiter der Virologie am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Freitagnachmittag. Zu den Aussichten, dass sie sich von der schweren Infektion erholt, erklärte Schmitz: "Wir hoffen das." Die Kunststudentin wird in einem Krankenhaus in Würzburg behandelt.

Der Zustand der jungen Frau sei weiter sehr ernst, es bestehe aber keine akute Lebensgefahr, erklärte der behandelnde Tropenmediziner Klaus Fleischer in Würzburg. Begünstigt würden die Heilungschancen durch die sportliche Kondition der Studentin. Ein Lassa-Verdacht bei zwei Krankenschwestern in Schwäbisch Hall habe sich nicht bestätigt, die Frauen litten an einer Erkältung.

Unterdessen meldeten sich mehr als 80 Personen, die mit der 23-Jährigen im Flugzeug nach Deutschland gesessen haben, bei den Behörden. Nach Auskunft des baden-würtembergischen Sozialministeriums wird mit einem Aufruf in allen Bundesländern sowie mit Hilfe der Passagierliste noch nach möglichen Kontaktpersonen gesucht. Die 23-jährige Kunststudentin hatte sich auf einer zweimonatigen Reise durch Westafrika mit dem Fieber angesteckt, das über die Exkremente einer Erdhörnchenart übertragen wird. Vermutlich werde die kritische Phase zwei weitere Tage dauern, sagte Professor Fleischer.

Scharfe Kritik äußerte Fleischer am Verhalten einiger Medien-Vertreter. Ein Fotograf sei nachts über die Fassade zur Intensivstation geklettert, um die Patientin zu fotografieren. Zudem hätten Journalisten sich als Behördenvertreter ausgegeben und Auskünfte oder Bilder der Patientin gefordert. Dieses Verhalten der Medienvertreter sei nicht mit der Pressefreiheit zu rechtfertigen, kritisierte auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands.

Das Lassa-Virus kann Hautblutungen sowie Nieren- und Kreislaufversagen auslösen. Etwa 15 Prozent der hospitalisierten Patienten sterben. Überlebende behalten nach Fleischers Angaben in der Regel keine bleibenden Schäden zurück.

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