Welt : Die Wasserdampfmaschine

Wie ein Zyklon entsteht – wegen des Klimaphänomens La Niña ist „Yasi“ besonders stark

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Der Zyklon „Yasi“ hat seinen Ursprung rund 3000 Kilometer weiter östlich in der Nähe der Fidschi-Inseln. Dort begann er vor einer Woche als eine „tropische Störung“, wie sie häufig in den äquatornahen Gebieten des Pazifiks auftreten. Warmes Meerwasser verdunstet und steigt nach oben. Direkt über dem Wasser entsteht so ein Tiefdruckgebiet, in das weitere Luft strömt, die dann mit Feuchtigkeit beladen ebenfalls nach oben steigt und später pilzförmig zur Seite drängt.

Wenn Luft nach Norden oder Süden strömt, wird sie geringfügig abgelenkt. Dahinter steckt die Corioliskraft, die mit der Erdrotation und der kugeligen Gestalt des Planeten zusammenhängt. Sie führt dazu, dass sich alle großen Windsysteme auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn drehen. Diese Rotation stabilisiert die Wirbelstürme. So ist es auch im Fall von „Yasi“, der es am Sonntag bereits in die Kategorie „Zyklon“ geschafft hatte. Windgeschwindigkeiten von mindestens 120 Kilometer pro Stunde müssen dafür erreicht werden, sagt der Meteorologe Uwe Ulbrich von der Freien Universität Berlin. „Der Zyklon braucht ständig neue Energie, die er in Form von Wärme erhält.“ Die kommt aus dem aufsteigenden Wasserdampf: Sobald der Dampf weiter oben in den Wolken kondensiert, wird viel Wärme frei, die die aufsteigende Luft zusätzlich beschleunigt.

Dieser Mechanismus funktioniert umso besser, je wärmer der Ozean ist, weil dann mehr Wasser verdunstet, erläutert der Forscher. „Jetzt während der La-Niña-Phase sind sie Bedingungen besonders gut.“ Das Klimaphänomen führt dazu, dass an der Wasseroberfläche im Westpazifik teils über 30 Grad Celsius herrschen, selbst vor der australischen Küste sind es noch um die 28 Grad. Dorthin wurde „Yasi“ verschleppt, denn Zyklone werden mit vorherrschenden Windströmungen mitgeführt, erläutert Ulbrich. Viele Wirbelstürme erreichen deshalb gar nicht das Festland. „Yasi“ aber schon. Mittlerweile hatte er sich zu einem Zyklon der Stärke 5 aufgebläht. Mehr gibt die Skala nicht her, 250 km/h sind dafür nötig. Der zweite große Zyklon der aktuellen Saison in Australien, „Bianca“, erreichte nur Stufe 4.

„Das Problem sind nicht nur die hohen Windgeschwindigkeiten“, sagt der Meteorologe. Der geringe Luftdruck lasse den Meeresspiegel um etwa einen Meter steigen, was gemeinsam mit dem Sturm zu Überflutungen führen kann. Zudem sei viel Feuchtigkeit in der Luft, die als starker Niederschlag wieder auf die Erde fällt.

„Gelangt der Zyklon über kaltes Wasser oder das Festland, verliert er an Kraft“, sagt Ulbrich. Es fehlt feuchtwarme Luft, die das System antreibt. „Nach gegenwärtiger Prognose wird ,Yasi‘ in ein bis zwei Tagen die Mitte des australischen Kontinents erreicht haben und später nichts mehr von ihm übrig sein.“

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