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Die Wut des jungen Indien : Bruder von vergewaltigter Inderin fordert Todesstrafe für Täter

31.12.2012 08:57 Uhrvon
Die Tod einer jungen Frau nach einer brutalen Vergewaltigung hat Indien geschockt.Bild vergrößern
Die Tod einer jungen Frau nach einer brutalen Vergewaltigung hat Indien geschockt. - Foto: afp

UpdateIhr Leid hat Indien erschüttert. Nun erlag eine junge Frau, die von mehreren Männern vergewaltigt wurde, ihren schweren Verletzungen. Nicht nur die Familie des Opfers ist schockiert und voller Wut auf die Täter. Ein Bericht aus einem traumatisierten Land.

Der Bruder der vergewaltigten Inderin, deren Tod am Wochenende das Land erschütterte, hat die Todesstrafe für die Täter gefordert. „Der Kampf hat gerade erst begonnen. Wir wollen alle Angeklagten hängen sehen, und wir werden dafür kämpfen bis zum Ende“, sagte ihr Bruder der Zeitung „Indian Express“ vom Montag.

Der Vater der jungen Frau sagte dem Blatt, seine Ehefrau habe seit zwei Wochen kaum etwas gegessen. „Sie war erschöpft“, sagte der Vater. „Ich glaube, sie war nicht bereit, dem Schock über den Tod unserer Tochter ins Auge zu blicken, auch wenn die Ärzte uns immer sagten, es sei ernst. Sie weinte den ganzen Samstag, doch es wurde schlimmer auf dem Flug zurück“, sagte der Vater, der wie die ganze Familie in der Öffentlichkeit nicht mit Namen genannt wurde.

Bis heute kennt niemand den wahren Namen der 23-jährigen Studentin. Doch ihr unfassbares Leid hat Indien so erschüttert, dass über Tage Zehntausende Menschen auf die Straße gingen. Nun hat die 23-jährige Medizinstudentin, die von sechs Männern vergewaltigt und gefoltert wurde, den Kampf um ihr Leben verloren. 13 Tage nach der Horrortat versagten am frühen Samstagmorgen ihre Organe. Am Sonntag wurde ihr Leichnam in Delhi eingeäschert. Ihren Peinigern droht nun die Todesstrafe.

Und Indien stand unter Schock.  “Ein Land trauert”, titelte The Hindu. Mit Schweigemärschen, Kerzenlichtern, mit Gebeten und Gesängen erwiesen Tausende “Damini”, wie die Demonstranten sie nach dem Vorbild einer Filmheldin, die für ein Vergewaltigungsopfer kämpft, getauft hatten, die letzte Ehre. Viele kämpften mit den Tränen. Die Hindustan Times widmete ihre ganze erste Seite in eine Traueranzeige um. “Sie entzündete eine Flamme.”

Sonia Gandhi, Chefin der regierenden Kongresspartei, und Premierminister Manmohan Singh nahmen den Leichnam der Toten am Flughafen in Empfang. Zuvor hatte sich Gandhi im Fernsehen ans Volk gewandt. ”Ihr Kampf wird nicht umsonst gewesen sein”, versicherte sie und sagte einen besseren Schutz für Frauen zu:  “Eure Stimmen sind gehört worden.”

Auch Bollywood zeigte sich geschockt. “Weine, Indien. Deine Hände sind getränkt mit dem Blut Deiner eigenen Töchter”, schrieb der Regisseur Mahesh Bhatt. Stellvertretend für viele sprach Superstar Shah Rukh Khan vom Gefühl der Scham. “Vergewaltigung verkörpert Sexualität, wie unsere Kultur und Gesellschaft sie definiert. Ich schäme mich, Teil dieser Gesellschaft und Kultur zu sein.”

Zwar dünnten die Proteste in Delhi deutlich aus, doch die Wut und der Ärger schwelen weiter. Das Schicksal der jungen Frau wurde nicht nur zum Symbol für die verbreitete Gewalt gegen Frauen und ihr alltägliches Leid. “Damini” ist auch zum Symbol für den Kampf gegen ein verrottetes System geworden, das die Mächtigen schützt und die Schwachen schutzlos lässt.

Die Ereignisse hätten die “Fäulnis im Herzen von Indiens politischem System” offengelegt, schreibt der Kolumnist Meghnad Desai. Und die Zeitung Mail Today kommentiert: “Die Jugend dieses Landes ist wütend. Ob Korruption, Recht und Ordnung oder Staatsleistungen - die Jungen fühlen sich hoffnungslos von ihren gewählten Repräsentanten verraten.”

Aus Angst vor neuen Unruhen und Massenprotesten verschanzte sich die Politik hinter Barrikaden. Das Regierungsviertel in Delhi glich am Wochenende einer Festung und war weiträumig abgesperrt. Zehn Metrostationen wurden geschlossen.

“Es scheint, dass sie Angst vor ihrem eigenen Volk haben”, meinte die 19-jährige Demonstrantin Neha, die sich mit einem Tuch vermummt hat, um nicht erkannt zu werden. “Meine Eltern haben mir verboten, zu protestieren. Aber ich bin trotzdem gekommen. Wir dürfen nicht länger schweigen.” Auch der Student Amit sagt. “Wir werden nicht ruhen, bis sich dieses Land ändert – zum Besseren.”

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