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Dienstwaffen-Präsentation in Bremerhaven : Polizist vergisst Patrone in Pistole und schießt Journalisten an

Ein Redakteur der Nordsee-Zeitung wollte sich über die neue Dienstwaffe der Polizei in Bremerhaven informieren - und verließ das Gebäude mit einem Durchschuss im Oberschenkel. Wie sich nun bestätigte, handelte es sich um einen "persönlichen Fehler".

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Eine Polizeibeamtin trägt am 19.05.2011 in Frankfurt am Main (Hessen) am Rande von Spurensicherungsmaßnahmen ihre Dienstwaffe am Gürtel. Bei der Vorführung einer neuen Dienstwaffe der Polizei Bremerhaven (Bremen) ist ein Journalist angeschossen und verletzt worden.
Eine Polizeibeamtin trägt am 19.05.2011 in Frankfurt am Main (Hessen) am Rande von Spurensicherungsmaßnahmen ihre Dienstwaffe am...Foto: dpa

Bei der Präsentation einer neuen Dienstpistole ist es in den Räumen der Polizeipressestelle Bremerhaven zu einer "unvorhergesehenen Schussabgabe" gekommen. Ein Redakteur der Nordsee-Zeitung erlitt einen Durchschuss am Oberschenkel. Im Laufe der Präsentation einer Neun-Millimeter-Pistole (P6), löste sich ein Schuss. Wie der Pressesprecher der Polizei von Bremerhaven dem Tagesspiegel am Mittwoch erklärte, handelte es sich um einen "persönlichen Fehler" des Waffenexperten. Dieser hatte eine Patrone im Lauf seiner Dienstwaffe vergessen.

Neben dem Experten und dem Journalisten befand sich noch ein Pressesprecher im Raum - die drei saßen an einem Tisch und sprachen über die Waffen, als sich der Schuss löste und den Reporter aus kürzester Distanz zehn Zentimeter über dem Knie in den Oberschenkel traf. Ein glatter Durchschuss - das Projektil schlug anschließend in eine Tür ein. Abgegeben hatte den Schuss der 45-jährige Trainer für die Anwendung von Schusswaffen, der dem Journalisten die Umstellung der Polizei von der bisherigen Dienstpistole P6 auf die Walther P99 erläuterte und beide Waffen erklärte.

Der 44-jährige Journalist wurde in ein Krankenhaus gebracht und befindet sich außer Lebensgefahr. Die zwei beteiligten Polizisten stehen unter Schock und haben Urlaub beantragt, wie Harry Götze, der Direktor der Ortspolizeibehörde, in einer kleinen Pressekonferenz am Dienstag mitteilte. Gegen die Beamten wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Die Nordsee-Zeitung veröffentlichte die Konferenz auf ihrer Facebook-Seite. Es handele sich um einen "bedauerlichen Zwischenfall", so Götze weiter. Im Beisein von anderen hätte die Waffe selbstverständlich nicht geladen sein dürfen. Dies hätte vorab geprüft werden müssen. Wie es zustande kam, dass die Waffe dennoch geladen gewesen ist, wird derzeit noch ermittelt. "Wie es dazu kam, entzieht sich meiner Kenntnis", so der Polizei-Chef. "Eigentlich darf das nicht passieren."

Die Redaktion der Nordsee-Zeitung erfuhr durch eine SMS des angeschossenen Mitarbeiters von dem Vorfall. "Dass unser Reporter noch selbst in der Lage war, uns zu informieren, zeigt aber zum Glück, dass zu keiner Zeit Lebensgefahr bei ihm bestand", so Chefredakteur Christian Klose.

Für die Mitarbeiter der Zeitung ist es noch unbegreiflich, dass so etwas passieren konnte, hieß es in einer Pressemitteilung. Hier gibt es auch ein Lob für die Offenheit und Transparenz der Polizei. "Wir hatten keinesfalls den Eindruck, dass die Polizei den Vorfall herunterspielen oder verheimlichen wollte, sondern aus unserer Sicht sehr professionell damit umgegangen ist."

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