Welt : Dietmar Schönherr: Kultfigur und Provokateur

Uta-Maria Heim

Als Commander McLane in der Science-fiction-Serie "Raumpatrouille" prägte er eine ganze Fernsehgeneration. Diese Rolle machte ihn unsterblich, die "Orion"-Fans waren verrückt nach ihm. Dietmar Schönherr wurde eine Kultfigur der 60er Jahre. Auch später blieb er der Commander, ob er nun als Quizmaster auftrat, als Moderator oder als Demonstrant. Dabei bestach er stets durch seine vorwärts drängenden Ideen. Nachdem die beliebte Quiz-Reihe "Wünsch dir was" 1972 nach 24 Folgen vom ZDF eingestellt worden war, etablierte Schönherr in der ARD die erste deutsche Talkshow: "Je später der Abend" gilt als deutscher Vorreiter eines Formats, das aus den USA kam.

Dietmar Schönherr übernahm zusammen mit der Schriftstellerin Leonie Ossowski die Leitung des ARD-Kulturmagazins "Arena". Das überraschte. Zudem stand er plötzlich ganz vorn in der Friedensbewegung.

Obwohl ihm seine harsche Kritik an US-Präsident Reagan längst beruflichen Ärger einbrachte, nannte er Reagan im Herbst 1983 auf dem Podium "einen Verbrecher". Dietmar Schönherr beteiligte sich an der "Prominenten-Blockade" des US-Stützpunktes Mutlangen, und seit 1984 engagiert er sich als Entwicklungshelfer für Projekte in Nicaragua. Während sich die meisten Aktivisten von damals längst wieder in Private zurückgezogen haben, macht Schönherr weiter. Sein Einsatz ist ihm so wichtig, dass er sich fragt: "Vielleicht habe ich ein Leben lang den falschen Beruf ausgeübt?" Er bereut es, dass er sich erst so spät der Entwicklungsarbeit zuwandte. Schönherr nutzt seine öffentlichen Auftritte gern für Gesellschaftskritik. Zuletzt geriet er vor gut zwei Jahren in die Schlagzeilen, als er sich bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" heftig von Martin Walsers umstrittener Friedenspreisrede distanzierte. Für sein couragiertes Lebenswerk wurde Schönherr 1999 mit dem Heinz-Galinski-Preis ausgezeichnet.

Schönherr sieht sich selbst als einstigen Dulder und Mitläufer der Nazis, auch wenn er bei den Dreharbeiten des Propagandafilms "Junge Adler" erst 17 Jahre alt war. Mit der künstlerischen Qualität dieses Schauspieldebüts überzeugte er seinen Vater, einen österreichischen General, der 1938 unehrenhaft entlassen wurde, weil er sich weigerte, der Wehrmacht beizutreten. In dessen Nachlass fanden sich Friedensgedichte, und so ist Dietmar Schönherr, der in Innsbruck geboren wurde und sein Abitur in Potsdam absolvierte, mit tiefen Brüchen und Widersprüchen aufgewachsen.

Das Vorläufige, dauernd Hinterfragte zieht sich wie ein roter Faden durch seine Biographie. Weniges hat Dietmar Schönherr länger als ein paar Jahre gemacht. Zwar ist die Liste seiner Filme lang, aber sie sind sehr unterschiedlich. Ob Kino oder TV-Serie, es scheint immer nur ein Versuch zu sein oder ein Zufall. Schönherr hat auch als Regisseur und Reporter gearbeitet. Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme James Dean. Vor die Kamera oder vors Mikro treten will er heute allerdings kaum noch. Lieber widmet er sich seinem Entwicklungsvorhaben. Seit einiger Zeit schreibt Schönherr, der bei Zürich lebt, Romane: "Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales" sind letztes Jahr im Eichborn Verlag erschienen. Dietmar Schönherr ist seit 35 Jahren mit der dänischen Schauspielerin, Sängerin und Malerin Vivi Bach verheiratet. Heute wird er 75 Jahre alt.

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