Diren-Prozess in den USA : Anwalt des Todesschützen will neues Verfahren

Der Angeklagte Markus K. war kurz vor Weihnachten wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen worden. Er habe den Hamburger Austauschschüler Diren im April erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Einen Monat nach dem Schuldspruch verlangen die Anwälte des Verurteilten einen neuen Prozess. Sie betonten erneut, ihr Mandant habe keine echte Chance auf einen fairen Prozess gehabt.

Der angeklagte Markus K. mit einem seiner Anwälte.
Der angeklagte Markus K. mit einem seiner Anwälte.Foto: Reuters

Neue Wendung im Prozess gegen den Todesschützen des Hamburger Austauschschülers Diren im US-Staat Montana. Einen Monat nach dem Schuldspruch verlangen die Anwälte des Verurteilten einen neuen Prozess. Sie betonten erneut, ihr Mandant habe keine echte Chance auf einen fairen Prozess gehabt. Eine massive Berichterstattung der Medien habe die Geschworenen beeinflusst. Ähnliche Vorwürfe hatten die Anwälte allerdings bereits vor dem Prozess erhoben und deshalb eine Verlegung in eine andere Stadt verlangt - was der Richter ablehnte.

Der 30-jährige Angeklagte Markus K. war kurz vor Weihnachten wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen worden. Er habe Diren im April erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Das Strafmaß soll am 11. Februar verkündet werden. Die Mindeststrafe beträgt zehn, die Höchststrafe 100 Jahre.

Der Todesschütze hatte den unbewaffneten 17-jährigen Diren im April erschossen, nachdem er nachts in seine Garage eingedrungen war. Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten vor, er habe den aus Hamburg-Altona stammenden Jungen regelrecht hingerichtet. Er habe ein „unbewaffnetes Kind“ erschossen. Dagegen plädierte die Verteidigung auf Notwehr. Auch Direns Eltern verfolgen den Prozess in Missoula. Der Fall hatte vor allem in Deutschland Wellen geschlagen, in den USA jedoch landesweit kaum Beachtung gefunden.

Wie in vielen US-Staaten ist auch in Montana der Besitz und das Tragen von Waffen erlaubt. Schätzungen zufolge besitzen mehr als die Hälfte der Einwohner eine Schusswaffe.„Er war ein Teenager, der Fehler machte, die Teenager machen. Aber er wurde gewaltsam hingerichtet“, sagte Staatsanwältin Karla Painter in ihrem Schlussplädoyer. Der Angeklagte habe sich mit der Tat für zwei Einbrüche vor der Tatnacht am 27. April rächen wollen.

Dagegen meinte der Verteidiger Paul Ryan, der 17-Jährige habe „nichts Gutes im Schilde geführt“. Der Schütze habe nach den zwei Einbrüchen um das Leben seines zehn Monate alten Babys gefürchtet. Ryan verwies in seinem Plädoyer erneut auf die „Castle Doctrine“, die sogenannte Schloss-Doktrin, die im Staat Montana den Schutz des eigenen Hauses rechtfertigt - im Notfall auch mit tödlicher Gewalt. (dpa)

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