Discovery-Mission : Abschied vom All

Nach rund fünf Monaten an Bord der Internationalen Raumstation ISS ist der deutsche Astronaut Thomas Reiter auf dem Rückweg zur Erde. Die US-Raumfähre Discovery dockte planmäßig ab.

Houston - Das Manöver um 23:10 Uhr MEZ verlief erfolgreich, wie der stellvertretende Leiter des ISS-Programms bei der Nasa, Kirk Shireman, in Houston sagte. "Es war eine großartige Mission, eine fantastische Mission", sagte Shireman. Die Discovery wird am Freitag um 21:56 Uhr MEZ mit ihrer siebenköpfigen Besatzung auf der Erde zurückerwartet. Er sei schon ganz aufgeregt, sagte der 48-jährige Reiter.

In einem Bilderbuchmanöver brachte Discovery-Kopilot William Oefelein die Fähre zunächst in einen Abstand von etwa 200 Metern zur ISS, bevor sie die Raumstation noch einmal in einem Halbkreis umflog, um Foto- und Filmaufnahmen zu ermöglichen. Zuvor hatten sich die Teams im Shuttle und in der ISS voneinander verabschiedet. "Wir sagen Lebewohl zur Discovery-Crew", sagte ISS-Kommandant Michael Lopez-Alegria, bevor sich die Luke zur Fähre schloss. "Alle werden diese Mission zu einem Erfolg erklären". Reiter sagte, er habe die Zeit auf der ISS genossen und freue sich nun auf die Rückkehr zu Erde. Seine Stelle nimmt die 41-jährige US-Astronautin Sunita Williams ein.

ISS-Flugdirektor John Curry war mit dem Ergebnis der Mission zufrieden. Alle drei Hauptziele seien erreicht worden: die Installation eines zwei Tonnen schweren Trägers, der Ausbau des neuen Stromversorgungssystems der ISS und das Einholen des Sonnensegels. Das Sonnensegel hatte der ISS-Crew zunächst die größten Schwierigkeiten bereiten. Der US-Astronaut Robert Curbeam und sein schwedischer Kollege Christer Fuglesang bauten das eingeklemmte Solarsegel am Montag ab. Für den vierten Versuch, das Segel einzuholen, hatte die Nasa die Discovery-Mission sogar um einen Tag verlängern müssen.

Erster Schwede im Weltall

Insgesamt sechs Stunden und 38 Minuten arbeiteten die beiden Astronauten am Montag im Weltall. Der ESA-Astronaut Fuglesang betrat während der Mission als erster Schwede das Weltall. Sein Kollegen Curbeam brach mit dem vierten Weltraumspaziergang innerhalb einer Mission einen 25 Jahre alten Rekord. Insgesamt war er 45 Stunden und 34 Minuten im Außeneinsatz. Zudem war es das erste Mal, dass an aufeinanderfolgenden Tagen Außeneinsätze unternommen wurden.

Durch die Entscheidung, die Mission um einen Tag zu verlängern, wurde das Zeitfenster für eine sichere Rückkehr zur Erde um einen Tag verkürzt. Spätestens am Samstag muss die siebenköpfige Besatzung wieder zurück sein, länger reicht der Sauerstoff- und Energievorrat nicht.

ISS: Künfitg größere Besatzung

Während eines Einsatzes am Wochenende hatten Curbeam und die Astronautin Sunita Williams eine Verkabelung eingeholt, waren aber zunächst erneut an dem Sonnensegel gescheitert. Bei mehreren Versuchen war es der Crew lediglich gelungen, etwa 65 Prozent des Segels zusammenzufalten. Ursache des Problems waren laut Nasa "anscheinend verrutschte Führungskabel".

Ziel der Arbeiten war der Ausbau des neuen Stromversorgungssystems der ISS, um die Raumstation für die Aufnahme von weiteren Modulen wie dem europäischen Forschungslabor Columbus, das Ende 2007 geliefert werden soll, einsetzbar zu machen. Außerdem sollen künftig mehr Astronauten dauerhaft auf der Station leben können, bislang können dies nur drei gleichzeitig tun. Bis 2010 soll die ISS fertiggestellt sein.

Reiter absolvierte in der Raumstation ein Versuchsprogramm, das von Radsporttraining in der Schwerelosigkeit bis hin zur Erprobung von Hautpflegemitteln reichte. Reiter hatte in den 90er Jahren bereits 179 Tage an Bord der russischen Raumstation Mir verbracht und zählt zu den wenigen Astronauten, die insgesamt ein gutes Jahr im All verbrachten. (tso/AFP)

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