Discovery : Wieder zuhause

Große Erleichterung bei der Nasa: Die Raumfähre "Discovery" ist sicher und exakt im Zeitplan auf dem Militärstützpunkt Edwards in Kalifornien gelandet.

Washington (09.08.2005, 16:43 Uhr) - Die «Discovery» mit sieben Astronauten an Bord setzte am Dienstag um 14.11 Uhr und 22 Sekunden MESZ auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien auf und war damit sogar 38 Sekunden schneller als von der NASA geplant. «Es ist wirklich hart, diese Mission zu übertreffen», freute sich NASA-Chef Michael Griffin. Das Landemanöver, das binnen 24 Stunden mehrmals verschoben und schließlich wegen schlechter Wetterbedingungen von Florida nach Kalifornien verlegt wurde, löste weltweit Freude und Erleichterung aus.

«Die Discovery ist zu Hause», verkündete ein Sprecher der NASA in der Bodenzentrale in Houston, wo die Bilderbuchlandung vor Sonnenaufgang mit großem Jubel und Beifall gefeiert wurde. «Herzlichen Glückwunsch zu einem wahrlich spektakulären Testflug.» Shuttle-Kommandantin Eileen Collins antwortete, die Crew sei glücklich, wieder daheim zu sein.

Umso größer war die Erleichterung, als die «Discovery» kurz vor 14.00 Uhr die gefährlichste Phase des Heimflugs - Hitzeinwirkung von bis zu 1700 Grad Celsius - überstanden hatte. Dann war die Raumfähre als immer größer werdender Lichtpunkt am dunklen Himmel zu sehen. Es war die 50. Landung eines Shuttle in Edwards und die erste in Dunkelheit seit 1991.

Ursprünglich hatte die «Discovery» bereits am Montag auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aufsetzen sollen, aber eine Wolkendecke zwang zu einer Verschiebung um einen Tag. Am Dienstag mussten dann zwei weitere Landemöglichkeiten in Florida erneut wegen schlechten Wetters ungenutzt verstreichen. So entschloss sich die NASA, auf die Edwards-Basis rund 150 Kilometer von Los Angeles entfernt auszuweichen. Aus Sicherheitsgründen vermied die Shuttle- Besatzung, die an ihrem Heimkehr-Tag mit dem Beatles-Song «Good Day Sunshine» geweckt worden war, aber beim Landeanflug das Überqueren der Hollywood-Metropole und ihrer dicht besiedelten Vororte.

Die Landung an der Westküste bedeutete für die Besatzung einen kleinen Wermutstropfen in aller Heimkehr-Freude: Ihre Angehörigen hatten sich zur Wiedersehensfeier in Florida versammelt und mussten sich nun noch gedulden.

Rücktransport kommt ungelegen

Für die NASA könnten die Folgen der Verlegung des Landeorts aber weitaus gravierender sein: Die US-Weltraumbehörde ist nämlich nun gezwungen, das Shuttle Huckepack auf einer Boeing 747 nach Florida zurückzubringen, um es dort inspizieren zu lassen. Dadurch dürfte sich der zurzeit für den 22. September ins Auge gefasste Start der Raumfähre «Atlantis» mit dem Deutschen Thomas Reiter an Bord verzögern. Die «Atlantis» kann nämlich erst fliegen, wenn ein zweites Shuttle startbereit für etwaige Rettungseinsätze zur Verfügung steht. Der Rücktransport an die Ostküste in sieben bis zehn Tagen kostet außerdem mindestens eine Million Dollar.

Dennoch sprach die NASA von einem «riesigen Erfolg» der Mission. «Wir haben sie sicher zurückgebracht und ich fühle mich fantastisch», sagte Programmchef William Parsons nach der Landung. Der erste Flug nach der «Columbia» sei ein Meilenstein der Raumfahrtgeschichte, die NASA habe wichtige Informationen gesammelt. «Es war ein Testflug, es war ein Erfolg und der nächste Testflug ist in Vorbereitung», sagte Parsons. NASA-Chef Griffin ergänzte, es habe Probleme gegeben, fünf Mal sei Isolierschaum von den Außentanks abgesplittert. Die Techniker müssten sich jetzt auf die Zuverlässigkeit dieser Tanks konzentrieren.

Die Deutsche Raumfahrtindustrie, die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und Weltraumorganisationen aus vielen allen Ländern beglückwünschten die NASA zur «Discovery»-Landung und hofften nun auf einen weiteren Ausbau der ISS.

Bei aller Freude über die glückliche Landung steht der NASA schon die nächste Mission ins Haus. Zwischen 13.54 Uhr und 15.39 Uhr MESZ soll am Mittwoch von Cape Canaveral aus eine neue Sonde auf den Weg zum Mars geschickt werden. Hauptziel der rund 720 Millionen Dollar (584 Millionen Euro) teuren Mission ist die Suche nach geeigneten Landeplätzen für Roboter und Menschen auf dem Roten Planeten. Nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush sollen neu zu bauende Raumfähren spätestens im Jahr 2020 vom Mond aus zum Mars aufbrechen. (tso)

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