• Diskretion: Expertenrat - Ein Interview mit dem Vorsitzenden der "Stiftung zur Untersuchung und Aufklärung von Gerüchten"

Welt : Diskretion: Expertenrat - Ein Interview mit dem Vorsitzenden der "Stiftung zur Untersuchung und Aufklärung von Gerüchten"

Herr Professor Kapferer[wie schafft man ein Ger&u]

Der französische Wirtschaftswissenschaftler und Sozialpsychologe Jean-Noël Kapferer ist Vorsitzender der "Stiftung zur Untersuchung und Aufklärung von Gerüchten". Politiker und Schauspieler hat er schon beraten, unter ihnen Isabelle Adjani, als man ihr nachsagte, mit Aids infiziert zu sein.

Herr Professor Kapferer, wie schafft man ein Gerücht aus der Welt?

Immer mit der Diagnostik anfangen! Mit welcher Art Gerücht habe ich es zu tun? Kommt das Gerücht durch Informationsmangel zustande, liegt ihm eine Ungewissheit zugrunde oder ist es einfach eine typisches modernes Märchen? Gibt es einen "Kopf", ein Komplott oder handelt es sich um ein spontan entstandenes Gerücht, in dem sich die Beunruhigung einer Gruppe Ausdruck verleiht? Schließlich, und das ist die Vertrauensfrage: Hat das Gerücht eine reale Grundlage - und mag sie auch noch so klein sein? Die Gegenstrategie richtet sich natürlich nach der Art des Gerüchts. Das geht von der einfachen Information aus autorisierter Quelle, bis zur puren Desinformation und dem Versuch, die öffentliche Meinung so ins Wanken zu bringen, dass nicht mehr klar ist, wem man glauben soll.

Nehmen wir einen Prominenten, über den es heißt, er sei seiner Partnerin untreu?

In diesem Fall würde ich vor allem empfehlen, nicht zu reden, sondern sich ganz demonstrativ mit der Ehefrau zu zeigen, bei allen Anlässen mit "hoher Sichtbarkeit". Wenn es sich um Stars handelt, sollten sie sich bei der Boulevardpresse um Interviews oder private Geständnisse über Themen wie "Warum unsere Paarbeziehung so stabil ist" bemühen. Wenn der Mann aber wirklich untreu ist, muss man lernen, damit zu leben. Dann sollte man die Sensationsgier der örtlichen Paparazzi nicht noch anheizen.

Kann man Gerüchte auch produktiv nutzen?

Immer mehr Marketing-Programme bauen auch das so genannte "Virus"-Marketing als Verkaufsstrategie ein: Wie kann man die Leute dazu bringen, von einem Produkt zu sprechen? Das ist die Basis beim Erschaffen von Marken, ob bei alkoholischen Getränken oder in der Mode. Da geschehen keine Wunder: Um die Mundpropaganda in Gang zu bringen, muss man richtig Geld investieren. Und was das Lancieren von negativen Gerüchten betrifft, so hat es seinen bevorzugten Platz im Umfeld von Kommunalwahlen.

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