Welt : Dolly Buster stiehlt Richard Lugner die Schau

ULRICH GLAUBER

WIEN .Eine, die erstmals kam, hätte die Debütantinnen in blühendem Weiß beinahe in den Schatten gestellt.Im Vorfeld des 48.Wiener Opernballs hatte der Besuch der blonden deutschen Pornoproduzentin Dolly Buster für viel Diskussion darüber gesorgt, ob die Anwesenheit von Prominenz aus ihrem Gewerbe dem Niveau des "Balls der Bälle" angemessen sei.

Doch der eigentliche Auftritt der gebürtigen Tschechin im silbrigen Abendkleid mit Goldstaub im tiefen Dekollete haftete auf dem Höhepunkt der Wiener Faschingssaison nicht der Hauch eines Skandals an.Der berühmten Aufforderung "Alles Walzer" nach der feierlichen Eröffnung durch das "Jungdamen und -herrenkomitee" aus Österreich und der restlichen Welt wollte die Geschäftsfrau aus dem Sex-Business wegen mangelnder Tanzkenntnisse in der Nacht zum Freitag ohnehin nicht nachkommen.Außerdem sei ihr auf dem glatten Parkett ein Walzer viel zu gefährlich.Buster hatte überhaupt erst nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen den korrekten Eingang in die Oper gefunden.

Zumindest jedoch hat der Besuch, dessen wahrer Grund die Reklame für eine Peep-Show-Kette gewesen sein dürfte, dem ungekrönten König der Selbstdarstellung beim Wiener Opernball für diesmal die Schau gestohlen.

Der Bauunternehmer Richard Lugner hatte es in den vergangenen Jahren verstanden, mit dem Engagieren von Prominenz wie Sophia Loren oder Sarah Ferguson als bezahlte Gäste Publicity-Sucht und Reklame für sein Einkaufszentrum zu machen.

In diesem Jahr allerdings mußte sich der Baumeister mit dem Spitznamen "Mörtel" im Rennen um die Klatschspalten mit dem zweiten Rang zufriedengeben, obwohl er neben Oskar-Preisträgerin Faye Dunaway den Herztranplantations-Pionier Christian Barnard willkommen hieß.Das seriösere Österreich interessierte sich ohnehin mehr für den Auftritt von Bundespräsident Thomas Klestil, der nach der Beilegung des langjährigen Rosenkriegs mit seiner ersten Frau Edith erstmals mit der neuen "First Lady" Margot Klestil zu dem Ball kam, der in diesem Jahr unter dem Motto "Rosen aus dem Süden" ganz im Zeichen der hundertsten Wiederkehr des Todestags von "Walzerkönig" Johann Strauß stand.

Nachdem sich im Schneetreiben auf der Wiener Ringstraße gerade einmal 16 Demonstranten verloren, müssen die Organisatoren der Funktionalisierung des Opernballs für Eigen-PR jetzt ohne Druck von außen entgegensteuern.Staatsopernchef Ioan Holender - nach der Ausgliederung seines Hauses aus den "Vereinigten Bühnen" künftig Gastgeber - grollte bereits: "Wir werden rigoros von unserem Hausrecht Gebrauch machen.Wir werden keine Logen mehr an Leute verkaufen, die dem Ruf des Festes und des Hauses schaden".

Guter Rat wird aber nicht billig sein.Bei Rekordeinnahmen von mehr als 3,5 Millionen Mark und einem Umsatz im Umfeld, der dem Wiener Tourismus laut einer Studie fast 70 Millionen Mark einbringt, bedeutet der Opernball einen warmen Regen in der "toten Saison".

Auch die frisch gekürte Opernball-"Repräsentantin" Elisabeth Gürtler will bei einer Neukonzeption im Jahr 2000 dafür sorgen, daß "Werbung auf Kosten des Opernballs verhindert wird." Daß man bei Leuten wie "Mörtel" Lugner nicht mauern wird können, weiß jedoch auch die Chefin des Nobelhotels Sacher: "Wer seine Loge rechtzeitig bestellt, bekommt sie auch."

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