Welt : Dominante Frauen: Krach am Königshof Jordanien

Charles A. Landsmann

Drei Königinnen auf einmal sind zuviel für ein einziges Königreich. Vor allem wenn es so klein ist wie das haschemitische Königreich Jordanien. Und wenn die drei Frauen so machtbewusst sind wie die Königsgattin Raniyah, die Königsmutter Muna und die Königswitwe Nur dann ist Krach am Königshof unvermeidlich.

König Abdullah II. hat zwar soeben alle Meldungen über schwere interne Spannungen zwischen den drei sehr dominanten Damen dementiert, doch die neuesten bekannt gewordenen Tatsachen sprechen eine andere Sprache.

Das Nein des Herrschers zu einer möglichen Hochzeit seiner schönen Stiefmutter Nur mit einem reichen Ölscheich aus einem Golf-Emirat ist nur "die Spitze des Eisberges", schreiben nichtjordanische Medien. Die "grosse Blonde" Nur al-Hussein, die ehemalige amerikanische Innenarchitektin libanesischer Abstammung Lisa Halabi und Witwe König Husseins als dessen vierte Ehegattin, steht auf verlorenem Posten gegen die zwei Frauen, die hinter dem Thron die Fäden ziehen: Muna, die kleine englische Offizierstochter Tony Gardiner, Husseins zweite Frau und Mutter des heutigen Königs Abdullah, und die bildhübsche Raniyah, dessen palästinischstämmige Gattin.

Nur wird systematisch zurückgedrängt, indem ihre öffentlichen Auftritte beschränkt oder gar durch eine der beiden Konkurrentinnen übernommen werden. So geschehen, laut "al-Watan el-Arabi", bei der Eröffnung des internationalen Festivals für für Musik und Gesang in Jerrash: Obwohl dieses international hochangesehene und auch in Jordanien sehr populäre Festival von Nur initiiert worden war, durfte sie dieses Jahr nicht einmal mehr die traditionelle Eröffnungsansprache halten.

Genauso erging es ihr bei einer ebenfalls von ihr veranstalteten internationalen Umweltkonferenz, die sie ebenfalls nicht eröffnen durfte.

Die Kampagne gegen Nur sei von oben organisiert, heisst es weiter. Die dem Hof hörigen Zeitungen sollen Anweisung erhalten haben, Bilder und Meldungen von Nur "zu verstecken"; ins Ausland dürfe sie nur noch in dringenden Fällen reisen.

Beim königlichen Dreikampf soll es nicht nur um die Macht am Hof und im Staate gehen, sondern auch um das auch bei Monarchen liebe Geld. Hussein hinterliess ein riesiges persönliches Erbe, nämlich unter anderem einen prachtvollen Palast in Amman, drei Villen in London und mindestens einige Dutzend Millionen Dollar. Unklar ist, wie dieses Erbe am Ende aufgeteilt wird.

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