Dominique Strauss-Kahn : "Ich bin nicht stolz darauf"

Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bedauert in einem ersten Interview seine Sex-Affäre und bereut seine vergebenen politischen Chancen. Nun will er sich erholen und nachdenken.

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Dominique Strauss-Kahn entschuldigte sich. Foto: dpa
Dominique Strauss-Kahn entschuldigte sich.Foto: dpa

Ernste Miene, schwarzer Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte, so saß Dominique Strauss-Kahn am Sonntag im Studio des Fernsehsenders TF1 der Moderatorin der abendlichen Nachrichtensendung, Claire Chazal, gegenüber. Rund zwölf Millionen Franzosen schauten zu. „Ich bin zufrieden, mich erklären zu können", sagte der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Beginn des Interviews, dem ersten seit seiner Rückkehr aus den USA, wo am 14. Mai dieses Jahres seine Karriere als Finanzpolitiker mitsamt Aussichten als Favorit der Sozialisten bei der Präsidentenwahl 2012 in der Affäre um den Vorwurf der Vergewaltigung eines Zimmermädchens des New Yorker Sofitel ein jähes Ende genommen hatte.

„Es hat weder Gewalt gegeben noch Zwang oder eine Aggression“, sagte Strauss-Kahn auf die Frage nach den Vorgängen in der Suite 2806 des Hotels. Dazu hielt er ein Schriftstück in die Höhe und erklärte: „Es ist der Staatsanwalt, der das gesagt hat.“ Dann gebrauchte Strauss-Kahn denselben Ausdruck, den vor ihm schon ein anderer berühmter Mann, der frühere US-Präsident Bill Clinton, in seinem Sex-Skandal bemühte. Es sei eine „unangebrachte Beziehung“ gewesen, „ein Fehler“ gegenüber seiner Frau, seinen Kindern, seinen Freunden und auch gegenüber den Franzosen. Das sei zudem keine „bezahlte Beziehung“ gewesen, sondern „ein moralischer Fehler. Ich bin nicht stolz darauf, ich bedauere ihn und höre nicht auf, ihn zu bedauern“, sagte er.

Auf die Frage nach seinen Erfahrungen mit der amerikanischen Justiz sagte Strauss-Kahn, er habe „sehr viel Angst“ gehabt. „Wenn sie in die Zähne einer solchen Maschine geraten, haben Sie den Eindruck, zermalmt zu werden.“ Er sei erniedrigt worden, bevor er ein Wort habe sagen können. Er hält es für möglich, dass es sich um eine Falle, möglicherweise um eine Verschwörung gehandelt habe. Der Zivilprozess um Schadensersatz, den das Zimmermädchen gegen ihn angestrengt habe, zeige, dass finanzielle Motive im Spiel seien.

„Ja, ich wollte Kandidat zur Präsidentenwahl in Frankreich sein“, sagte Strauss-Kahn, „aber das liegt jetzt hinter mir.“ In die Primärwahl der Sozialisten, die im Oktober ihren Bewerber für den Elysée-Palast küren wollen, werde er sich nicht einmischen. Er wolle sich erholen und nachdenken. Er wünsche den Sieg der Linken. Ein späteres politisches Engagement ließ er offen. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage wünschen 53 Prozent der Franzosen, dass er nicht mehr in die Politik zurückkehrt. Zu der in Frankreich anhängigen Affäre um die Vergewaltigungsvorwürfe, die die Schriftstellerin Tristane Banon gegen ihn erhebt, sagte Strauss-Kahn, er habe keine Gewalt gegen die Frau angewendet. Ihre Behauptungen seien verleumderisch. Laut Banon habe Strauss-Kahn sie 2003 bei einem Interview wie ein „geiler Schimpanse“ angefallen. Einem Medienbericht zufolge habe er den Ermittlern gestanden, dass er die Frau habe küssen wollen, aber dann von ihr abgelassen, als sie sich weigerte.

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