Welt : Don Camillo und Peppone: Helden wie wir

Klaus J. Schwehn / Malin Ihlau

Es gibt eine Bar, die heißt "Don Camillo" und eine Bierstube "Peppone"; Kirche und Bürgermeisteramt liegen einander - wie vor 50 Jahren - an der Piazza Matteotti auf Steinwurfweite gegenüber. Nur die alten Kommunisten, die gibt es kaum noch. Der Ort der Handlung heißt Brescello, er liegt in der "Bassa", in jenem Tiefland, das der Po zwischen die Alpen und den Appenin geschnitten hat. Manche der alten Straßen sind noch von den Etruskern angelegt. Hier, in der Emilia Romagna, hat vor 50 Jahren, im Herbst 1951, der Regisseur Julien Duvivier den ersten weltberühmten Film "Don Camillo und Peppone" gedreht. Nach der Vorlage eines Romans von Giovanni Guareschi - auch ein Kind der Emilia Romagna - geboren am 1. Mai 1908 in dem Örtchen Fontanelle, das heute ein Vorort von Roccabiana ist.

Brescello rüstet sich zur 50-Jahrfeier dieses Films, der den Ort weltberühmt gemacht hat. Denn zwischen 1951 und 1965 wurden hier die "Don Camillo und Peppone"-Filme gedreht. Auch wenn Roman und Film seinerzeit die Italiener tief gespalten haben: Der ewige und tagtägliche Streit zwischen Don Camillo, dem Priester des Ortes - den der französische Schauspieler Fernandel spielte - und dem kommunistischen Dorfbürgermeister Giuseppe Bottazi, genannt "Peppone" bei dem auch die Fäuste flogen - verkörpert von dem Italiener Gino Cervi - war den einen fast antichristlich und den anderen zu wenig ideologisch kommunistisch.

Afro Bettati, der vor 50 Jahren der richtige Bürgermeister war, sagt heute dagegen, dieser Film, der seinerzeit zu so vielen Diskussionen im Lande geführt habe, spiegele in Wahrheit nicht mehr und nicht weniger wieder als die Angst der Menschen ums tägliche Leben, denen die Ideologie "schnuppe" sei. Er sagt es heute mit einem Lächeln. Vor fünf Jahrzehnten war er beispielsweise von den komunistischen Gewerkschaften wie auch von den Klerikalen arg bedrängt worden, die Filmaufnahmen verbieten zu lassen. Er zerstöre den Ruf seiner Kommune.

Aber heute wird der Film in Italien als Ausdruck eines "historischen Kompromisses" zwischen Kirche und Kommunismus gewertet. Die dramatischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gegnern, dem Pfarrer und dem kommunistischen Bürgermeister, die mit wechselndem Glück und außerordentlicher Schlauheit einander zuleide lieben, die gar manchen Streit mit einem gemeinsamen Glas Lambrusco beenden, spiegeln ein Stück Nachkriegsitalien. In den Zeiten des "Kalten Krieges" kannte in ganz Italien und nicht zuletzt in Westdeutschland fast jedes Kind diesen Film. Don Camillo, den hemdsärmligen, streitlustigen, sehr irdischen katholischen Pfarrer. Und Peppone, jenen schnauzbärtigen, nicht zufällig an Stalin erinnernden, siegesgewissen kommunistischen Bürgermeister des Dorfen, der aber dann doch durch kleine alltägliche Tricks und augenzwinkernd praktizierende Sünden erschütterbaren. Gegenübergestellt wird dem italienischen Kommunisten, der weder gottlos sein möchte noch ausgesprochen gehässig antikirchlich, der katholische Pfarrer, der sein Amt "erdverbunden" versteht und seinen Schäfchen auch im Streit nahe ist. Der Schriftsteller Guareschi sponn um die beiden Protagonisten typische Geschichten aus der Heimat, und auch äußerlich glich er der Figur Peppone: von kleiner, gedrungener Gestalt, ein fleischiger Kopf fast ansatzlos auf stämmigen Schultern, darüber ein Schnauzbart, stechende Augen und dunkle Locken.

In Brescello gibt es heute nicht nur Bar und Café, die nach den beiden berühmten Protagonisten benannt sind. Es gibt auch ein Guareschi-Museum mit vielen Erinnerungen aus dem Leben des Schriftstellers und mit vielen Fotos aus der Zeit der Filmaufnahmen. Und natürlich mit dem berühmt gewordenen - symbolisch roten - Motorrad des kommunistischen Bürgermeisters. Das Museum stellt auch alles über den Streit des Priesters mit dem Bürgermeister aus. An den Wänden hängen alle möglichen Zeitungsartikel und Fotos. Der Schriftsteller, der die Film-Vorlagen geliefert hatte, ist in der Gegend auch zur letzten Ruhe gebettet. Sein Grab findet sich in dem Ort Roncole, das heute Roncole-Verdi heißt, da dort auch der große Opernkomponist geboren worden ist.

In Brescello werden den ganzen Sommer über zur Erinnerung an den Film auf der Piazza Matteotti zwei Statuen aufgebaut, die Büsten von Don Camillo und Peppone, die der Bildhauer Andrea Zangani geschaffen hat. Und wer noch bis in den Spätsommer mitfeiern will zu Ehren von Giovanni Guareschi und dessen Roman- und Filmhelden, der kann sich eine spezielle Lambrusco-Abfüllung genehmigen. Sie soll so gut sein wie der seinerzeit immer wieder benötigte "Versöhnungswein" vor 50 Jahren. Jedenfalls trägt das Etikett das Konterfei von Don Camillo und von Peppone.

Don Camillo und Peppone sind inzwischen verstaubte Ikonen des Kampfes zwischen "Freiheit" und "Diktatur". Trotzdem bleiben in Italien der Pfarrer und der Parteisekretär Personifizierungen von "Gut" und "Böse". Zwar vergilben die auch so gläubigen Repräsentanten der katholischen und kommunistischen Seite, aber der Wunsch nach klar identifizierbaren Freund-Feindfronten scheint, wie die Resonanz der unentwegt ausgestrahlten Don Camillo Wiederholungen zeigt, unaustilgbar zu sein.

Giovannis Guareschis Bücher erreichten eine Weltauflage von zehn Millionen Exemplaren. Seine beiden Hauptfiguren sind aus dem Wörterbuch der politischen Publizistik der Zeit des "Kalten Krieges" nicht wegzudenken. Don Camillo und Peppone gehören wie Sophia Loren, der Komiker Totò, Eros Ramazzotti und Papst Johannes XXIII. zum festen Bestandteil der italienischen Alltagskultur.

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